Witze, Ausgrenzung und die Verantwortung der Allgemeinheit

Gerade stecke ich in einer kleinen Twitter-Diskussion über Autismus, Witze/dumme Sprüche darüber, Ausgrenzung und die Verantwortung der Allgemeinheit.
Darin fielen diese beiden Tweets:

Hier meine etwas länger ausgefallene Antwort darauf:

Die Verantwortung der Allgemeinheit ist einfach, niemanden zu diskriminieren.

Ja, ich habe mir tatsächlich andere Autisten als Freunde gesucht.
Ist bei nur 1 % der Bevölkerung dann halt so, dass die nicht gerade in meiner Nähe leben.

Zudem muss ich ja auch mit anderen Menschen interagieren, Alltag nennt man das. Und wenn die alle so ein verschissenes Bild von Autisten haben, wie diese „Witze“ es erzeugen, ist man froh, wenn man nicht als Autist erkannt wird. Das ist armselig, das verstecken zu müssen. Armselig für alle, vor denen man es verstecken muss.

Was Anpassung angeht: Viele Autisten, die ich kenne, gehen oft genug weit über ihre Grenzen in Sachen Anpassung, weil es eben oft zu Ausgrenzung und richtig echten Problemen führt, wenn man man selbst ist. Das ist scheiße. Das macht kaputt.
Übrigens können sich Nicht-Autisten offenbar genauso wenig an Autisten anpassen. Nur sind sie in aller Regel nicht in der Not, das überhaupt tun zu müssen. Du triffst vielleicht mal einen Autisten. Ich gehe raus und bin umgeben von Nicht-Autisten.

Viele Autisten lernen erst als Erwachsene, wie gut Selbstakzeptanz tun kann. Und wie nötig Akzeptanz von außen sein kann.
Es kann doch nicht so schwer sein, wenigstens die Witze, blöden Sprüche und Metaphern, die Klischees und Vorurteile über Autismus/Autisten sein zu lassen, wenn man schon nicht mehr für ein gutes Miteinander tun will.

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3 Gedanken zu “Witze, Ausgrenzung und die Verantwortung der Allgemeinheit

  1. Eben das Argument mit der Anpassung wollte ich auch bringen.
    Es setzt voraus, dass wir uns noch mehr Anpassen, als ohnehin schon. Allein für das normale Alltagsleben müssen wir uns schon immens anpassen. Weil so gut wie nirgends Mal auf UNS Rücksicht genommen wird. Irgendwo hat jeder seine Grenze. Einfach zu sagen „dann passt euch doch an!“, ignoriert diesen Umstand vollkommen.
    Ich hoffe, er ist nur aufgrund von Unwissenheit zustande gekommen …

  2. Tja, so schnell hat einen die „Falle“ des Lebens in die Irre geführt.
    Oh sorry, hier ging es um zwar auch um einen Tweet, jedoch um was anderes.
    Ein Versuch meinerseits eine Analogie zu konstruieren, ging gründlich“in die Hose“ wie man sagt.
    Genau, es ging um ein Klische: Autist —> auf einem Gebiet gut, in anderen nicht – soweit das Vorurteil. Oder sollte ich besser sagen, das vermeintliche Vorurteil, denn:
    Ich habe es so gelernt und erfahren.
    Ich selbst kam in Kontakt mit einem Kind, und man sagte mir das dieses Kind autistisch wäre.
    Es kann sein das ich dieses Kind auf alle Autisten, wohl eher unbewusst projeziere. Es entsprach dem >Klische wie man es klasisch von The six scence her kennt. Weiter habe ich mich nicht mit dem Thema auseinander gesetzt, da es mich ja nicht berührte. Ein Fehler? Vielleicht! Aber ist mir dadurch etwas vorzuwerfen?
    Im obigen Blog ist die Rede von gerade mal 1% der Bevölkerung. Also wenn ich vor die Tür gehe, laufen mir aller Wahscheinlichkeit nach 99% Nichtautisten über den Weg – in bezug zur Bevölkerung wohlgemerkt. Ich als, ich sag mal „Normalo“ – obwohl erstmal zu klären wäre was den „normal“ überhaupt ist, suche naturgemäß ja auch nicht nach Autisten wenn ich rauß gehe. Bei mir hat auch noch nie ein Autist an der Tür geklingelt…..bis eben gerade auf Twitter.
    Und promt war ich in der „Falle des Lebens“.
    Kann man daran etwas ändern? Ich glaube schon. Wie gerade auf Twitter, sollten wir aufeinander zu gehen und komunikativ sein. Nur so können diese „Fallstricke“ beseitigt werden. Ich bedanke mich hier bei Phodopus Sungorus! So halte ich es für richtig und zielgerichtet.
    Gruß
    Horst

    1. Danke für deinen Kommentar.

      „Autist —> auf einem Gebiet gut, in anderen nicht“
      Ok, das kann tatsächlich vorkommen bei Autismus. Unebenes Fähigkeitenprofil nennt man das.
      In deinem Tweet kam es etwas anders rüber, so dass ich dabei an Inselbegabungen dachte. Und die gehören nicht zum Autismus. Die sind ohnehin extrem selten.

      1 % sind gar nicht mal so wenig, wie man meinen mag.
      Als ich meine Diagnose bekam, dachte ich so an meine Schulzeit zurück und dachte plötzlich:
      „1 %. Wow, da muss ja in meiner Stufe am Gymnasium min. ein Autist … Ach ja, das war ja ich.“
      Aber eben wenn man von einer Klassenstärke von etwa 30 – 35 Schülern ausgeht, wie es zu meiner Gymnasialzeit war, ist in jeder dritten Schulklasse im Schnitt ein Autist. Um das mal bildlich zu machen.

      Oder nehmen wir ein Kino.
      Ein Kinosaal fasst im Schnitt ca. 180 Leute.
      Also sind in jedem vollen Kinosaal im Schnitt 1 – 2 Autisten.

      Die Chance, schon mal einen Autisten getroffen zu haben, ohne das zu wissen, ist jedenfalls gar nicht mal so klein.

      Ich bin jedenfalls froh um jeden, der sich ein wenig damit auseinandersetzen mag, so wie du gerade.
      Danke dafür.

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