Ein Tag in meinem Leben – Ute

Ein Morgen genügt vollauf, denn den zu bewältigen, ist anstrengend genug. Einen ganzen meiner bis auf die letzte Sekunde durchstrukturierten und im Voraus exakt geplanten Tage zu beschreiben, würde ganze Bände füllen. Zumal meine Pläne und Zeitrahmen immer wieder durchkreuzt werden, sodass ich schnellstmöglich umstrukturieren und neu planen muss, um den Überblick und den Hut aufzubehalten und nicht überzulaufen und aus der Fassung zu geraten, was – im Bemühen, genau dies zu vermeiden – unglaublich viel Energie kostet. Aber manchmal gibt es Morgende, die laufen, als würden sie einem für mich persönlich gestalteten Bilderbuch entstammen. Selten genug, aber es gibt sie.

05:15 Uhr. Handyalarm klingelt. Auf die Sekunde pünktlich. Wie ausnahmslos jeden Morgen. Klingelt vielleicht o,5 Sekunden lang. Dann habe ich ihn stillgelegt. Springe auf. Stelle dabei fest, dass Kind Nr. 3 sich mal wieder nachts ins Schlafzimmer geschlichen hat. Mist. Das heißt, ich muss die Schlafzimmertür schließen, um Kind Nr. 3 nicht durch meine morgendlichen Aktivitäten zu wecken. Die geschlossene Tür wiederum stört mein optisches Empfinden massiv. OK, nicht zu ändern, die Alternative wäre ein mäanderndes Kind Nr. 3, Tür zu, Blick den Flur entlang. Alles klar, keine Gefahr, Kind Nr. 1 und Kind Nr. 2 haben ihre Zimmertüren geschlossen. Was ist das denn? Das Licht im Bad brennt? Wieso, ist da jemand? Blick um die Ecke. Nein, niemand. Licht aus. Mist, mindestens 15 Sekunden sinnlos vertrödelt. Treppe runter. Blick ins Wohnzimmer – Hund auf seinem angestammten Platz? Ja, alles im Lot. OK, weiter ins Bad. T-Shirt, Hose, Socken an. Ab in die Küche. 4 Löffel Kaffee in die am Vorabend vorbereitete Maschine, anstellen. Trinknapf ausspülen, neu befüllen. Fressnapf vorbereiten. Echse füttern. Kaffeefilter entsorgen. Arbeitsplatte abwischen. Notieren, was der Hund zu fressen bekommen wird. Zurück ins Bad. Wetter-App checken, Fenster öffnen, gegenchecken. Schuhe an, Jacke an, Basecap auf – kalt, Regen. Hundeleine, Kacketütenbeutel schnappen, Hund rufen, Haustür auf, Gartentor auf, beides wieder zu. Uhrzeit checken. OK, alles plangemäß – 05:30 Uhr. Morgengassirunde antreten. Dabei mindestens 20 Vaterunser murmeln, dass uns nicht wieder ein Fuchs, ein Hase oder ein wildgewordener rasender Radfahrer über den Weg „läuft“ und den Hund zur Aktivierung seines Jagdtriebes animiert. Schnauf, alles gut gegangen. 06:05 Uhr – Gartentor und Haustür auf, Hund einlassen, Tor und Tür wieder schließen, Jacke aus, Schuhe aus, Leine weghängen. Hund füttern. Ab ins Bad. Klamotten aus, Joggingklamotten an. Zähne putzen. Beten, dass kein Kind vor der Zeit wach wird und durchs Haus schreit. 06:15 Uhr – Tür auf, Tor auf, Schlüssel einstecken, bloß raus hier, bevor irgendjemand muckt. Geschafft. Keinerlei Feindkontakt zu Tagesbeginn. Der Tag könnte richtig gut werden. Tief durch- und aufatmen. Und los, ab in den Wald … 07:00 Uhr – Schlüssel rausholen, Tor auf, Tür auf, leise ins Haus huschen und hoffen, dass der Schulbus Kind Nr. 1 und Kind Nr. 2 bereits eingesammelt hat. Schnauf, schon wieder Glück gehabt. Was für ein Tag. Möge es ihnen heute in der Schule gefallen. „Mama, hier bin ich, hier oben!“ OK, nur noch Kind Nr. 3, das kriegen wir locker hin. „Ja, Spatz, alles klar?“ „Jaha!“ Prima, keine Intervention erforderlich, dann ab mit mir ins Bad. Duschen, Haare waschen, anziehen. Inhalt des Rucksacks checken – alles Erforderliche drin? Jepp, der Tag wird immer besser. „Tschüss, mein Spatz, hab viel Spaß heute. Hab Dich lieb und denk an Dich!“ „Hab Dich auch lieb, Mama! Wer geht mit mir heute zum Sport?“ „Papa, mein Hase.“ „Ach so, alles klar. Tschüss, Mama!“ 07:55 Uhr, zum letzten Mal für die nächsten 11 bis 12 Stunden: Tür auf, Tor auf, beides wieder schließen, Schlüssel einstecken, Rucksack schließen und ab zum Bahnhof. Augen und Ohren abschotten, abgesehen von der Verkehrssituation auf dem Weg zu Bahnhof möchte ich bitte nicht behelligt werden, am allerwenigsten möchte ich von kontaktsuchenden Nachbarn angequatscht werden. Erneut ein Volltreffer. Was für ein Tag, was für ein wunderbarer Tag! Kindle rausholen, Kopf runter, Nase im kindle versenken, lesend auf den Zug warten. 08:14 Uhr – Zug fährt ein. Ein weiterer Hit an diesem traumhaften Morgen, der Zug ist auf die Minute pünktlich. Einsteigen, hinsetzen. 19 Minuten später – aufstehen, aussteigen, ins Büro laufen. Dabei die linke Straßenseite benutzen, dort laufen die allerwenigsten Kollegen lang. Aus irgendeinem Grund benutzen die meisten die rechte Straßenseite. Dabei ist es dort voll öde, unverstellter Baustellenblick inklusive. Außerdem sind die Büros auf der linken Seite, irgendwann müssen sie die Straße doch ohnehin überqueren. Egal, diese Angewohnheit kommt mir entgegen. Wie meistens, so schaffe ich es auch diesen Morgen unbehelligt in mein Büro. PC hochfahren, Rufumleitung aufs Vorzimmer aktivieren, Tür zu, Fenster auf, Platz einnehmen. Der Arbeitstag kann beginnen …

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