Behindertenwitze – No-Go oder Inklusion?

Immer wieder lese ich, dass Sprüche über Behinderte ja bloß Spaß wären. Man meinte ja gar nicht echte Behinderte.
Und Witze, ja, die wird man wohl noch machen dürfen. Oder soll man die Behinderten etwa exkludieren, ausgrenzen, indem man nicht über sie lacht?
Das geht ja nun wirklich nicht!

Ich bin nicht humorlos. Und ich finde nicht mal jeden Behindertenwitz oder Spruch scheiße.

Es ist allerdings was ganz anderes, wenn man über sich selbst oder im mehr oder weniger vertrauten Kreis untereinander über seine Behinderung scherzt, als wenn Menschen von außen das tun.
Es kommt aufs Wie, aufs Wer, aufs Wo, aufs Wann an. Und insbesondere darauf, ob es Augenhöhe und Respekt gibt.

Allgemeine Witze über „Flamongos“ und „behinderte Telekom“ sind enorm unlustig für Betroffene.
Genauso „Autismus kickt“ als Beschreibung für besonders absurde Verhaltensweisen. Oder wenn man allem, was man irgendwie blöde findet, Autismus zuschreibt, von autistischen Fensterspalten bis hin zu Trump, der ja mit „Asperger und Demenz, also was am Kopp“ wohl besser kein politisches Amt inne hätte.
(Ja, ich finde auch, er hätte besser kein politisches Amt inne, aber nicht wegen unqualifizierter Zuschreibungen von $Behinderung/Krankheit.)

Sagt aber jemand, der mich gut kennt und sieht, wie ich gerade im Supermarkt wippend vorm Regal stehe, schmunzelnd zu mir „Hey, wir sind hier beim Einkaufen, nicht beim Rockkonzert, du Autist“ kann ich ggf. auch darüber lachen. (Anmerkung: Das Wippen wird im Englischen als „rocking“ bezeichnet.)
Es hat eben was mit Respekt, Augenhöhe und Situation zu tun.

Die meisten Behindertenwitze/Sprüche über Behinderte sind vor allem eins: Respektlos.
Sie sind von oben herab und erzeugen Bilder in Köpfen, die mitunter zu Mobbing führen können. Oder gar dazu, dass ein Personaler Behinderte nicht mal mehr zum Vorstellungsgespräch einlädt, geschweige denn einstellt. Er „weiß“ ja, wie die sind.
Und das geht eben einfach mal gar nicht. Das inkludiert auch nicht. Das exkludiert und verletzt und schadet.

Ich schließe mit einem Witz über Autisten, den ich als Autist selbst gern erzähle:
Zwei Autisten beim Hochseeangeln.
Fragt der eine: „Und, was ist dein Spezialinteresse?“
Starrt der an ihm vorbei aufs Meer und ruft: „HAIE!“

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6 Gedanken zu “Behindertenwitze – No-Go oder Inklusion?

  1. Ich frage mich doch, wie viele den Witz überhaupt verstehen *g*

    Ich sehe das genauso wie du. Witze können in Ordnung sein. Die meisten sind aber einfach respektlos und damit nicht in Ordnung. Witze sollten dort ihre Grenze haben, wo andere verletzt werden. Nur leider halten sich die wenigstens daran …

  2. Gut und verständlich erklärt. Das werde ich sicherlich öfter durchlesen, um mich manchmal selbst daran zu erinnern, dass manches Verhalten nicht in Ordnung ist. Ich kenne es von mir selbst, „Epileppy aber Happy“ u.ä. find ich auch nicht toll.
    Ich frag einfach mal nach: Besteht der Witz darin, dass der aufs Meer blickende Artist gerade einen „HAI“ entdeckt oder steht „HAIE“ für eine besondere Abkürzung (was ich aufgrund der Schreibweise vermuten würde)?

    1. Ok, der Witz. Hehe.
      HAIE in Großbuchstaben verdeutlicht, dass er es laut sagt/ruft.

      Der Witz spielt auf drei Dinge an, die bei Autisten häufiger vorkommen:
      1. Spezialinteressen
      2. kein/wenig/anderer Blickkontakt in Gesprächen
      3. Schwierigkeiten mit der Lautstärkeregulierung

      Man erfährt also nicht, ob der Autist nun die Frage beantwortet hat und Haie sein Spezialinteresse sind, oder ob er beim Blick aufs Meer Haie entdeckte und laut davor warnt.

  3. „Es kommt aufs Wie, aufs Wer, aufs Wo, aufs Wann an. Und insbesondere darauf, ob es Augenhöhe und Respekt gibt.“
    Ich finde, das sollte immer Voraussetzung sein, egal bei was. Achtsamkeit und Aufmerksamkeit.
    Wie man bei solchen Witzen „gar nicht echte Behinderte“ meinen soll, verstehe ich nicht. Ist wohl dann so ein gedankenloses Irgendwas, welches schnell geschmacklos werden kann.
    Was ich überhaupt nicht ertragen kann ist Schadenfreude. Gibt es auch in meinem Emotionsrepertoire nicht.

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