Block ich oder block ich nicht? – Warum, ist hier die Frage!

Ich erkläre das jetzt einmal, warum ich jeden Tag Twitterer blocke, die die Begriffe Autist, Autismus, autistisch etc. als Witz, Negativum, Metapher, dummen Spruch etc. verwenden.
Das hat mehrere Gründe.

1. Selbstschutz. Jeden Tag zu lesen, wie Menschen Autismus/Autisten sehen, tut weh, insbesondere wenn es so viele sind. Und ja, so ein blöder Witz sagt durchaus etwas darüber aus, wie Autisten gesehen werden, auch wenn der Witzereißer selbst denkt, er wäre total offen und habe autistische Freunde oder arbeite mit Autisten oder oder oder.
Irgendetwas Negatives zu Autismus hängt in seinem Kopf. Oder zumindest eine erschreckende Gleichgültigkeit. Sonst käme es zu solchen Tweets nicht.
In Masse wird das für mich unerträglich. Also schütze ich mich davor.

2. Solche Tweets schaden. Sie schaden aktiv, indem sie ein Bild formen und in die Köpfe setzen. Und ja, sie schaden auch dann, wenn es unabsichtlich, nur unbedacht, geschah.
Da das Internet kein eingekapselter Raum ist, sondern ein Teil des Lebens, schaden sie in die Leben der Autisten hinein.
Sowas ist eben nicht „nur ein Scherz“.
Schüler reden so auch auf Schulhöfen vor ihren autistischen Mitschülern. Und auch Erwachsene haben ein Bild im Kopf, bestehend aus Vorurteilen, das sich durch solche Tweets und den ebenso oft missbräuchlichen Gebrauch dieser Wörter in den Medien, Zeitungen, Comedyshows etc. festigt. Menschen in Ämtern, Ärzte, potentielle Freunde und und und – wie soll man sich vor ihnen outen, in der ständigen Angst, für was man wohl gehalten wird? Wie soll man so jemals Verständnis erfahren?
Manchmal lese ich dann noch, dass jemand so ja nur reden würde, wenn kein Autist es mitkriegt. Supi. Hinterm Rücken. Top. Nicht!
Zumal viele Menschen vor lauter Vorurteilen nicht mal merken würden, dass ein Autist anwesend ist, wenn man ihnen einen auf den Bauch binden würde.

3. Zugemüllte Suche. Ich suche mit einer Begriffskette rund um Autismus auf Twitter nach Artikeln und Studien zum Thema, aber auch nach anderen Autisten zum Austausch oder auch Angehörigen, die Hilfe im Umgang mit einem Autisten suchen etc. Bis 2014 ging das super.
Dann tauchten die ersten dieser Kids im deutschsprachigen Twitter auf, die sich gegenseitig als Autisten beschimpfen.
Das ist eine von Emotionen diesem Geschehen gegenüber völlig unabhängige Problematik. Es stört faktisch die Selbsthilfe und Aufklärung und eigene Information.
Und nein, ich gehe dafür nicht auf Plattformen extra zum Thema Autismus, wie mir von solchen Leuten schon geraten wurde. Twitter bündelt das für mich sehr gut. Alle Zeitungen/Medien im Blick zu halten, ist ohne Twitter schwieriger. Autismusforen gibt es, ich kenne aber keins, in dem ich mich wohlfühle und so viele Infos bekomme.
Zudem ist es für mich keine Option, mich separieren zu lassen.
Und zum Schluss noch ein patziges: „Ich war zuerst da!“
Ich lasse mich nicht vertreiben. Ich twittere seit 2010, aber erst 2014 ging dieser Blödsinn auf Twitter los.

Innerhalb von nicht ganz 11 Monaten (Juli 2016 – Juni 2017) habe ich 7.533 Accounts geblockt.
Das sind im Schnitt knapp über 20 pro Tag. Zu Anfang (2014) waren es nur wenige, alle paar Tage einer. Das war überlesbar. Irgendwann waren es 10 pro Tag und ich begann zu blocken. Heute sind es rund 40 – 50 neue pro Tag.
Im Juni hab ich aufgehört, sie zu zählen.

Die gezeigten Tweets sind nur ein Beispiel von enorm vielen. Ein noch sehr gemäßigtes Beispiel, dem aber eine Diskussion ohne jedes Verstehenwollen folgte.
Die verlinkten Tweets noch als Screenshots, falls sie gelöscht werden:

@dxxfie "Finde es ja schon dezent armselig irgendwelche Leute, die einem nichts getan haben, zu blockieren." 22:14 - 18. Juli 2017
Bild einer eBay-Kommunikation, Kunde fragt binnen weniger Minuten drei Mal dasselbe nach. @dxxfie "Kann mir doch keiner erzählen, dass die nicht entweder Autist ist oder Adhs hat" 18:52 - 18. Juli 2017
@dxxfie "Es. War. Doch. Nur. Ein. Scherz. Nichts besseres zu tun als sich über sowas ewig aufzuregen?!" 21:32 - 18. Juli 2017

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5 Gedanken zu “Block ich oder block ich nicht? – Warum, ist hier die Frage!

  1. Danke, danke, danke, dass du trotz allem diese Leute darauf hinweist, dass ihre Wortwahl scheiße ist & diskutierst. <3

    1. Darunter würde ich, auch wenn es deutschsprachig benutzt würde oder es ein deutsches Äquivalent gäbe, dann aber nur Tweets finden, in denen das Tag auch genutzt wird.
      Medien, Zeitungen, Menschen, die neu in der Thematik sind, Eltern, die Hilfe suchen etc. tun das nicht. Deren Tweets zum Thema möchte ich aber auch und gerade finden.

      Und leider hat das Hashtag auch einige Überschneidungen zu #SelfDXIsValid.
      Ich kann verstehen, dass es in manchen Ländern, USA zum Beispiel, schwierig ist, eine Diagnose zu bekommen und auch undiagnostizierte Menschen eine Stimme brauchen mit ihrem Autismus-Verdacht, aber das als Selbstdiagnose zu bezeichnen, ist für mich vermessen und schwierig bis gefährlich. Zumal die Argumentation von einigen 1:1 aus den USA für Deutschland übernommen wird, hier aber überhaupt nicht passt.
      Dazu schrieb ich in einem eigenen Artikel schon ausreichend. Das ist aber ein Grund für mich, dieses Hashtag nicht so wirklich gern zu lesen und es eben auch nicht für mich zu benutzen.

      So gut gemeint das sein mag. Die von mir in obigem Artikel beschriebene Problematik kann so ein Hashtag nicht ausräumen.

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