Essen oder nicht essen – was für eine Frage

Soeben las ich diesen Artikel:
„Einladung zur Extrawurst – Wie geht man als Gastgeber mit den vielen Unverträglichkeiten und Sonderwünschen beim Essen um?“

Hier mal mein Senf zu dieser Frage:

Ich hätte keine große Lust, extra zu kochen.
Zumal mir gerade beim Kochen mit vielen Pötten die autistische exekutive Dysfunktion so gern im Weg steht.

Ich selbst habe ja auch viele Probleme mit Nahrungsmitteln, autistische Probleme, die schwer vermittelbar sind und mitunter auch erst in der Situation selbst akut werden, also nicht alle vorab klärbar sind.

Beispiel:
Man lud mich ein zu Hähnchen, denn man hatte erfahren, Hähnchen würde ich schon essen. Ich war noch ein Kind.
Ja, ich mochte Hähnchen. Das Brustfleisch und die knusprige Haut mit Mamas Gewürzen. Es gab Hähnchenbollen mit labbriger Haut und ganz anderen Gewürzen. Man war dann sehr … nicht enttäuscht, nicht pikiert, nein, regelrecht angepisst, dass ich nicht aß, obwohl man vorher erfahren hatte, ich würde das mögen.
Das zu klären, was genau und wie und warum ich das nur so und nicht anders essen kann, ist aber halt ein paar Schwierigkeitsstufen über „ich bin Vegetarier“ oder „ich mag keine Erbsen“.
Zumal ich mitunter eben erst dann weiß, ob ich etwas essen kann, wenn ich es sehe.

Heute esse ich auch Hähnchenbollen, knusprige. Damals halt nicht.
Überhaupt sind meine Probleme mit dem Essen nach und nach deutlich geringer geworden seit etwa Mitte 20. Aber für Otto Normalbürger bin ich immer noch sehr außer der Norm, was das angeht. Und es kann immer noch zu solchen Problemen kommen, auch unvorhersehbar.

Ich halte es daher mein Leben lang schon für mich so, wenn ich eingeladen bin:
Ich esse, was ich kann, den Rest lasse ich eben stehen. Ich wünsche mir lediglich, dafür nicht blöd angemacht zu werden, dass ich irgendwas vom Essen des Einladenden nicht anrühre. Und dass man mir dann bitte nicht das Essen beibringen will, mich zum Probieren drängeln etc.
Einfach akzeptieren, dass ich nicht wie andere alles essen kann.

Es ist lieb gemeint, wenn jemand sich erkundigt und dann für mich extra etwas kochen mag, aber es ist kein Garant, dass ich das dann auch esse. Und dann ist es mir doch lieber, man kocht nicht extra für mich und ist mir einfach nicht böse, wenn ich nicht alles esse.

Würde ich nun einladen und etwas kochen, würde ich es ebenso handhaben. Wer es mag, isst es, wer es nicht mag, lässt es und ich bin ihm nicht böse.

Meine letzten Einladungen allerdings waren ein Grillabend, bei dem ich tatsächlich nur für Getränke, Brot und Salate sorgte und jeden bat, sein bevorzugtes Grillgut mitzubringen, und ein Fondue, bei dem ich vorab erzählte, was ich dafür üblicherweise kaufe, und fragte, ob jemand gerne noch etwas anderes zusätzlich dafür haben mag. Das ging beides ganz gut so.

Ansonsten würde ich vielleicht ein kleines Fingerfood-Buffet anbieten, bei dem ich zum Beispiel Häppchen mit und ohne Fleisch darbieten könnte. Wäre auch eine Idee, bei der man nicht mit 20 Töpfen jonglieren muss.

Faktische Unverträglichkeiten, also wenn jemand nun mal Allergien hat zum Beispiel, die mitunter ja auch lebensbedrohlich sein können, würde ich allerdings schon berücksichtigen wollen, wenn ich denn davon weiß. Da gehe ich allerdings davon aus, dass der Allergiker mir das schon aus Selbstschutz selbständig und rechtzeitig mitteilt.

Also denn: Guten Appetit.
Und seid nicht so verbissen, wenn einer mal was nicht mag, das ihr gekocht habt. Es muss nicht an euren Kochkünsten liegen.

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Ein Gedanke zu “Essen oder nicht essen – was für eine Frage

  1. Ich bin im Internet schon öfter auf das Problem gestoßen, dass Leute mir sagen „ja, viel Gemüse und viel selbst kochen ist doch billiger“, weil ich ja an der Armutsgrenze verdiene. Nur, das geht dann halt nicht nach einem Unitag, wo ich sämtliche Energie in die Anwesenheit und vielleicht sogar in Zuhören und Lernen gesteckt habe. Da kann ich mich dann nicht noch zwei Stunden (motorische Störungen, schneiden, hacken, etc fallen mir extrem schwer) stellen, um mir was „Günstiges“ zu machen oder was Gesundes, da geht dann halt nur Fertigsushi vom Asialaden oder TK-Pizza. Wenn dann noch Routinen dazu kommen (bestimmte Tage muss was bestimmtes gegessen werden), wird es so richtig schwierig.

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