Inklusion, ein kleiner Kommentar

Ich las Kommentare. Zum Beispiel diesen hier:
sonnenschein.www auf www.zeit.de
Und weil solche Kommentare schlimm sind, hat mein Kopf ein wenig gesenft:

Liebe Lehrer,

hört auf, der Inklusion und den behinderten Kindern und ihren Eltern die Schuld zu geben, wenn in eurer Schule was nicht glatt läuft. Inklusion ist super, sie muss allerdings gescheit ausgeführt werden! Kämpft nicht gegen Inklusion, weil die momentan oft miese Ausführung nicht gut läuft und gar keine echte Inklusion ist. Kämpft für die Inklusion, wie sie sein sollte und funktionieren kann!
Denn Inklusion ist es erst dann, wenn für jedes Kind die Mittel und Möglichkeiten da sind, dass es teilhaben kann wie jedes andere Kind!

Kämpft für kleine Klassen, für mehr Mittel, für eine zweite Kraft pro Klasse, für Nachteilsausgleiche etc.! Das kommt allen Schülern zugute. Wirklich allen.
Hört dazu behinderten Erwachsenen zu! Die haben Erfahrung, was ihnen in ihrer Kindheit geholfen hätte.

Ihr bekommt keine Fortbildung zu Autismus? Dann setzt euch zumindest auf den Arsch und lest euch selbst ein! Es gibt haufenweise gute Blogs von Autisten und Eltern, völlig kostenlos!

Und denkt gerade in Bezug auf Autismus daran: Zu meiner Schulzeit besuchten viele Autisten ganz normale Regelschulen – ohne dass irgendjemand das auch nur wusste. Die Diagnose Asperger-Syndrom hat es da schlicht noch nicht gegeben, damit mussten ich und viele andere Autisten, deren Eltern und Lehrer leben.
Mit Nachteilsausgleichen wäre es den Autisten da besser ergangen, aber funktioniert hat das damals trotzdem irgendwie. Also jammert jetzt nicht rum über einen Autisten in eurer Klasse, von dem ihr es sogar wisst, also die Möglichkeit habt, auf seine Bedürfnisse wenigstens ein bisschen einzugehen.

Und ach ja: Auch wenn es sich so schwieriger gestaltet für euch als Lehrer, ist es eines jeden Autisten verdammtes Recht, selbst zu entscheiden, vor wem er gerne geoutet sein möchte und vor wem nicht!

Herzliche Grüße
ein Autist, der in den 1980er und 1990er Jahren damals noch undiagnostiziert ein Regelgymnasium besuchte

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2 thoughts on “Inklusion, ein kleiner Kommentar

  1. Hallo. Ich bin gerade über deinen Beitrag gestolpert und wollte meine Gedanken dalassen.

    Für viele ist der Umgang mit allem, was vom normalen Schulalltag (im Ideal ’normal‘ gesprochen) abweicht schon bereits eine Mehrbelastung, die neben dem Standardarbeitspensum schwer zu schultern ist. Dazu kommt die absolut unzureichende Ausbildung der Lehrer. Dadurch, dass nun das gesamte Spektrum, für das es ja sogar eigene Studiengänge der Sonderpädagogik gibt, durch Lehrer abgedeckt werden soll, die in ihrer theoretischen und größtenteils auch praktischen Ausbildung nie damit zu tun hatten, klafft ein riesen Abstand zwischen Anforderung der Praxis und der Grundlage auf, welche die Lehrer überhaupt zum Lehren mitbekommen haben.

    In vielen Fällen werden die Lehrpersonen entsprechend reagieren wollen, versuchen sich einzuarbeiten. Aber das im stillen Kämmerlein alleine zu leisten, neben der eigentlichen Arbeit, die bei der überwiegenden Mehrheit der Lehrer schon wie selbstverständlich Überstunden fordert im Schulalltag und das im Umfang eines Studienfaches, das ist einfach unmöglich. Darauf muss nicht von unten reagiert werden. Einzelne Lehrer können nur die Symptome bekämpfen, wenn sie denn wie beschrieben dazu kommen. Geändert werden muss aber von vorne herein die Art, wie ausgebildet wird; sowohl in Theorie als auch in Praxis.

    Wir hoffen auch, dass es endlich eine Änderung im allgemeinen System gibt. Dass fundamentale Anpassungen an den Arbeitsalltag endlich durchgeführt werden. Leider sieht es danach noch lange nicht aus.

    1. Dass da längst nicht alles glatt läuft, ist mir bewusst.
      Nur ist daran nicht die Inklusion schuld. Oder gar die zu inkludierenden Kinder oder ihre Eltern. Das ist mein Punkt.

      Ich lese aber immer wieder von Lehrern, die die Inklusion verteufeln statt für sie einzutreten, nur weil sie Inklusion nicht wirklich verstanden haben und denken, alle Kinder einfach zusammenzuwürfeln wäre schon Inklusion. Dass das so nicht klappt, ist klar.

      Sie müssen Inklusion verstehen lernen und dann für sie eintreten, wie sie wirklich funktionieren kann.
      Ich appeliere daher weiter an die Lehrer:
      Werdet laut FÜR Inklusion!
      Setzt euch ein für Fortbildungen, für bessere Ausbildung für die folgenden Lehrergenerationen, für kleine Klassen, für mehr Kräfte pro Klasse, für gut ausgebildete Zusatzkräfte in den Klassen, für Nachteilsausgleiche, für passendes Material und und und!

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