„Schritt für Schritt in die Gesellschaft“ Teil 2

Am 16.09.2015 besuchte ich den zweiten Teil der Veranstaltungsreihe „Schritt für Schritt in die Gesellschaft“. Thema war „Teil 2: Autismus im Kindergarten- und Grundschulalter“.
Auch darüber wollte ich gern bloggen, doch fällt es mir diesmal deutlich schwerer.

Nicht, dass die Veranstaltung schlecht gewesen wäre, ich war wieder in weiten Teilen positiv überrascht, doch fiel es mir sehr schwer, nebenbei Notizen zu machen und vollumfänglich zu folgen. Es war noch etwas voller als bei der ersten Veranstaltung. Vielleicht war es das. Oder ich war an dem Tag generell weniger aufnahmefähig, ich weiß es nicht.

Meinen Blogpost zum ersten Teil findest du hier:
“Schritt für Schritt in die Gesellschaft” Teil 1

Zuerst möchte ich positiv erwähnen, dass es nun Schilder gab vom Parkplatz rauf zum Veranstaltungsort. Danke.

Dennoch mag ich ein paar Dinge hier aufschreiben, die mir so aufgefallen sind. Etwas persönlicher, wertender, dafür weniger inhaltliche Wiedergabe.

Zunächst fand ich sehr interessant, dass das Publikum zu weiten Teilen aus beruflichen Gründen anwesend war. Sehr viele Integrationshelfer, Erzieher etc. Nur wenige Zuhörer hatten private Gründe.

Frau Winkelmann las aus ihrem Buch, was sehr interessant war. Wer gern ihren Blickwinkel kennenlernen möchte, kann das Buch hier bestellen:
Früher war ich falsch … heute bin ich anders: Erzählungen einer Autistin
Sie berichtete, dass ihr Autobiografien anderer Autisten hilfreicher gewesen sind als Fachbücher.
Wichtig finde ich dabei, vor allem, wenn Nicht-Autisten so verstehen lernen wollen, dass man mehrere Autobiografien lesen sollte, denn in jeder findet man eben genau nur einen Autisten. Und wir sind ja nun alle verschieden. Nicht jeder kann sich in jeder Biografie gut wiederfinden.

In einem der Vorträge kamen ein paar Zahlen zur Sprache.
Das Durschschnittsalter bei der Diagnosestellung sei bei Kanner-Autisten 6 Jahre, bei Asperger-Autisten 11 Jahre. Erste Bedenken kämen den Eltern bei Kanner-Autisten im Schnitt mit 22 Monaten, bei Asperger-Autisten im Schnitt mit 42 Monaten. Das Durchschnittsalter bei Diagnostik wurde als spät benannt und betont, dass frühere Diagnostik sehr wichtig wäre, jedoch beim Säugling tatsächlich unmöglich ist, da schon ein gewisses kognitives Niveau gegeben sein muss, denn es gibt keine Biomarker, die Diagnostik läuft über Verhaltensbeobachtung.
Kanner-Autismus kann frühestens mit 18 – 36 Monaten (1,5 – 3 Jahren), Asperger-Autismus frühestens mit 36 – 48 Monaten (3 – 4 Jahren) diagnostiziert werden.
Den Punkt der möglichst frühen Diagnostik sehe ich persönlich durchaus kritisch. Frühe Diagnosen sind nur dann hilfreich, wenn das Umfeld auch gut damit umgeht. Wird dann zu viel behütet oder im Gegenteil zu viel gefordert oder aus Verzweiflung gar zu dubiosen „Therapie“-Methoden gegriffen etc., kann es durchaus sein, dass die frühe Diagnostik sich negativ auswirkt, bis hin zur Traumatisierung und Depressionen.
In der Pause befragte ich Frau Mateo (hoffentlich bringe ich gerade die Namen nicht durcheinander), ob im Durchschnittsalter 11 Jahre bei Asperger-Autisten die ganzen spätdiagnostizierten Erwachsenen mit drin sind. Die Antwort war etwas wacklig, lief aber darauf hinaus, dass dies so wäre und sich die Zahl auf alle Asperger-Autisten in Deutschland bezöge. Bei den vielen im Erwachsenenalter diagnostizierten Autisten, die ich kenne, bin ich da allerdings skeptisch dieser Statistik gegenüber.

Leider fällt es mir gerade wirklich schwer, einen Faden für diesen Blogpost zu finden.
Das ärgert mich, ist aber gerade so.
Darum schließe ich jetzt einfach mal damit, dass die Vortragsreihe bis hierhin durchaus sehr interessant war, auch lehrreich, mit ein paar Videos gespickt, die es auch für mich dann noch mal spannend machten, zum Beispiel einen Vergleich autistisches und nicht-autistisches Verhalten zu sehen.
Insgesamt bis jetzt auch wenig zu meckern über die Inhalte, wenn ich auch mit ein paar wenigen Punkten aus autistischer Sicht nicht so ganz übereinstimme. Aber auch ausgewogen durch die Mischung aus Fachleuten und der Innensicht von Regine Winkelmann.

Die nächste Veranstaltung ist dann am 11.11.2015, wieder ab 18:00 Uhr. Thema: „Teil 3: Autismus im Jugendalter“.

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