Der perfekte Abend

Selten ist’s, dass alles passt, selbst wenn man’s plant.

Silvester allein, Fondue und Filme – und natürlich Dinner for One. So sollte es sein. Doch waren es die ungeplanten Details, die den Abend perfekt machen sollten.

Auf den letzten Drücker, wie immer, am späten Nachmittag noch staubsaugen, wie soll so denn alles klappen? Das wird doch wieder knapp.
Schnell noch alles aufbauen, Fondue, die Zutaten noch schneiden, das Gurkenglas öffnen, Cola, Met-Sekt, den Aschenbecher endlich mal auswaschen, Laptop ins Wohnzimmer, Fett schmelzen, das Passwort vom Laptop vergessen haben, hektisch suchen und denken, Zugang zum Lappi kriegen, oh, das Brot noch, und aufs Fett achten, das schon schmilzt, die Tische rücken, den Sitzsack passend legen, alle Fernbedienungen parat … Ohohoh.

Und plötzlich sitze ich da, Lappi läuft, alles steht bereit, das Fett brodelt auf dem Rechaud, der erste Spieß steckt im Topf und exakt jetzt beginnt Dinner for One. Perfekt!
James kümmert sich vorbildlich um Miss Sophie, wie jedes Jahr, bringt sie liebevoll zu Bett, wo sie sicherlich noch Spaß haben werden. Ich lege in plötzlicher Eingebung „Die Zeitmaschine“ ins DVD-Fach, ohne mir bewusst zu sein, dass der Film an einem 31.12. des Jahres 1899 beginnt. Wie passend, wie wunderbar. Ich schaue ihn auf Englisch, auf Deutsch sah ich ihn schon oft, aber lang ist’s her.
Und wie immer verschwindet am Ende der Zeitreisende für immer, eine Art heitere Melancholie beendet den Film, mein Fondue schmeckt mir derweil und die Stimmung passt wunderbar.

„Jetzt 20.000 Meilen unter dem Meer“, denke ich, lege den Film auf, fülle nach etwas Ärger mit der Kindersicherung die Brennpaste auf, starte die dritte Runde Fondue und den Film. Kindheitserinnerungen, ich singe mit Ned Land das Lied über die Hafenbräute, erfreue mich an der Optik der für mich einzig wahren Nautilus.
Gerade beschließe ich, dass die beiden Spieße mit Fleisch und einem Pilz die letzten sein werden für heute, so satt bin ich, da geht genau passend die Flamme unterm Fonduetopf aus und beschließt dasselbe. Passend, wunderbar, perfekt!

Der Film läuft noch eine Weile, ich bestaune die Bilder, die tolle Filmtechnik für die Zeit. Und plötzlich ist es Mitternacht. Ich proste dem Internet zu mit meinem Met-Sekt, schreibe ein paar SMS, die problemlos rausgehen, keine Netzprobleme, und genau jetzt geht die Insel im Film in einem großen Feuerwerk unter, explodiert und beendet den Film, während draußen ein ganz anderes Feuerwerk beginnt. Wie perfekt!
Ich staune aus dem Fenster, staune auch vom Balkon herab, genieße kurz die Nachtluft und die Farben.

Jetzt wird es ruhig, ich schaue den Rest des „The Big Bang Theory“-Marathons auf Pro7, lümmle dabei im Sitzsack herum, bringe zwischendurch den Rest Fleisch in den Kühlschrank, falle wieder in Ruhestellung und genieße den Beginn des neuen Jahres.

Was auch immer im alten Jahr war, wie auch immer das neue Jahr wird. Dieser eine Abend war durch viele Details, ungeplante nette kleine Zufälle, schlicht und einfach perfekt so wie er war.

Advertisements

4 Gedanken zu “Der perfekte Abend

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s