In meinem Kopf

Ich will Pilze sammeln. Ich hab aber jetzt Hunger. Ich sollte erst was essen. Nur was? Ich könnte ein 1 + 1 bei McDonald’s holen. Aber das ist in genau der falschen Richtung zum Pilze sammeln. Dann müsste ich zurück fahren. Und danach wieder zurück, weil ich noch was einkaufen sollte. Das ist doch blöde. Warum ist kein snackfähiger Laden auf dem Weg zum Wald? Ich will Pilze sammeln. Die Tasche sollte ich mitnehmen. Und das Messer natürlich. Kamera? Ich ärgere mich, wenn ich sie nicht dabei habe, aber wenn ich sie nicht mitnehme, muss ich nicht so viel schleppen. Ich könnte den kleinen Hocker mitnehmen, dann könnte ich im Wald auch eine Weile sitzen und was lesen oder Hörbuch hören. Aber will ich den schleppen? Vielleicht am großen Rucksack festklippen. Vielleicht sollte ich einfach losgehen. Die Zigaretten sind eh alle, ich brauche neue, sonst werde ich nervig. Ich will Pilze sammeln. Kopfhörer mitnehmen nicht vergessen. Oh, und Speck kaufen dann noch. Vergiss bloß nichts. Und wenn noch keine Pilze da sind, hol ich Kartoffeln. Damit ich was hab zum Filet. Achja, das Filet muss ich auftauen. Sonst ist das eh alles sinnlos. Und die Pfanne spülen. Der Akku für die Cam ist noch nicht voll. Die Karte habe ich schon leer, immerhin. Und wenn es noch gar keine Pilze gibt? Mein Magen knurrt, Mistkram. Ich muss zuerst irgendwas essen. Hab ich dann noch genügend Hunger überhaupt auf die Pilze? Jetzt geh doch einfach mal los, zieh die Hose und die Waldschuhe an und setz dich ins Auto, aber vergiss nichts dabei! Ich will Pilze sammeln schon seit ein paar Tagen. Denk an die Tasche und das …

Und dauernd kreiselt dann dieser Scheiß durch meinen Kopf, der mich hindert, einfach aufzustehen und es einfach nur zu tun.
Das ist der Autismus. In meinem Kopf.

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8 Gedanken zu “In meinem Kopf

  1. Ich kann dich soweit beruhigen, das bei uns „normalen“ also allen denen ohne diagnostiziertem Autismus das oft nicht anders ist. Zumindest bei mir ist son alter General zusätzlich im Kopf der bei jeder Frage JA oder NEIN schreit und damit ist die Sache dann entschieden. Nur um dann feststellen zu müssen das ich die hälfte im Laden vergessen habe und dann nochmal fahren darf… Und die Leute, die ich bisher kennenlernen durfte, die wirklich Sachen einmal anpacken und dann im ersten Versuch das richtige perfekte Ergebniss haben, überlegen vorher 3 Tage lang was se überhaupt machen wollen.

    Auch nicht viel besser…
    Schönes Wochenede und danke für den Blick in deinen Kopf.

    1. Ich bin mir aufgrund deines Kommentars nicht sicher, ob ich mit meinem Text wirklich rüberbringen konnte, was ich meine.
      Das soll kein tagelanges Planen darstellen, sondern ein alles blockierendes und sehr schnelles (daher keine Absätze) Gedankenrasen. Das kann auch dazu führen, dass ich einfach dasitze und absolut nichts tun kann derweil, wenn es schlimm ist, auch über Stunden. Ich kann nicht sagen: „Ok, während mein Kopf das durchplant, räume ich mal auf, und danach gehe ich mal los.“

  2. Ist es bei dir auch so, dass du nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommst weil sich keines der Konstrukte qualitativ heraushebt? Oft zwinge ich mich dann zu etwas, das sich irgendwie nicht richtig anfühlt weil ich funktionieren möchte.

    1. Ja, entweder das oder aber eher noch, weil alle Möglichkeiten nicht so logisch in Reihe zu bringen sind, wie es gut wäre.
      An irgendeinem Punkt muss ich das durchbrechen, weil ich sonst eben nichts mache. Entweder, indem ich dann eine der unzufriedenstellenden Möglichkeiten auswähle, oder aber, indem ich mich für was ganz anderes entscheide, also zum Beispiel vom Pilzesammeln komplett ablasse und stattdessen etwas ganz anderes unternehme.
      Letzteres geht natürlich nur, wenn keinerlei Verpflichtungen damit verbunden sind.

  3. Wie gehst du mit den „Das kenne ich auch“ Kommentaren von NT’s um? Ich denke sie wollen damit Zuversicht, also eher positive Gefühle auslösen. Mich stürzt das leider immer noch in große Selbstzweifel, die mir einen erklärenden Gegenkommentar unmöglich machen.

    1. Das finde ich enorm schwierig.
      Ja, vermutlich wollen sie damit etwas Positives bewirken, tun sie aber nicht.
      Mitunter ist es so, dass ein einzeln rausgenommenes Symptom ja auch gar nichts so „Wildes“ ist, was eben jeder mal haben kann, aber bei Autismus geht es ja nun um die Menge und Mischung der Symptome. Dennoch möchte ich manchmal halt eins davon beschreiben können, ohne dass gleich NA ankommen und meinen, das sei doch „normal“.
      Oft jedoch ist es auch so, dass NA mir zuhören und dann denken, sie hätten mich verstanden, mir dann erklären, dass sie das ja auch kennen, und bei eben dieser Erklärung rauskommt, dass sie mich überhaupt nicht verstanden haben. Dann muss ich es neu erklären, oft mehrmals. Und manche NA reagieren auch noch sauer, wenn ich ihnen erkläre, dass sie es eben nicht verstanden haben.
      Jedenfalls ist es meist überhaupt nicht hilfreich, egal wie gut sie das meinen.
      Und das meine ich wiederum nicht böse, was aber auch oft nicht verstanden wird, leider.

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