Der Tag

Er saß am Fenster und beobachtete die Leute.
Wie hektisch sie waren.

Herr Maier von nebenan ging mit seinem Hund Gassi. Das machte er jeden Morgen um halb neun. Und dann am Nachmittag um vier, da würde er wieder den schwer schnaufenden Mops in Richtung Spielplatz zerren.
Frau Lensing war früh dran. Wahrscheinlich Arzttermin. Einkaufen ging sie sonst erst um zehn.
Die kleine Garten- und Landschaftsbau-Firma auf der anderen Seite hatte offenbar Hochbetrieb. Heute fuhren sie gleich mit drei Wagen raus. Natürlich nicht, bevor Sven und Gerd an die Wagentür gelehnt schwatzend noch eine Zigarette geraucht hatten.

Das war sein Morgen. Er schaute, wie die Leute kamen und gingen, dachte darüber nach, wie sich alles immer wiederholte. Aber saß nicht auch er jeden Tag routinemäßig zur gleichen Zeit an seinem Fenster?

Um elf stand er auf und bereitete sein Mittagessen vor. Dann würde er fernsehen. Die Gerichtssendungen füllten die ereignislose Zeit.

Doch um Punkt halb vier saß er wieder an seinem Fenster und beobachtete die Leute.
Wie hektisch sie waren.

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Ein Gedanke zu “Der Tag

  1. Als er sich wegdrehte, wurde die Straße durchsichtig, dann die Häuser, schließlich die Menschen. Bis nichts mehr zu sehen war. Die Welt war zum Fensterglas geworden.

    Mikkai

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