Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht.

Ich habe diesen Spruch nie verstanden.
Vielleicht ist er ironisch, überlegte ich. Vielleicht soll er sagen, dass man stetig konsequent üben muss, dabei bleiben muss, um es nicht zu verlernen.

Irgendwann ging mir auf, dass es wirklich so gemeint war: Wenn man das einmal kann, kann man es für immer. Man verlernt es nicht.
Warum verstand ich das so falsch?
Ganz einfach: Ich habe Fahrrad fahren verlernt. Und das nicht nur einmal, sondern gleich zweimal in meinem Leben.
Mir fiel Fahrrad fahren schwer, von Anfang an. Als schon jeder ein schickes Rad hatte und durch die Gegend flitzte, schlich ich noch mit meinem Puky mit Stützrädern über den Hof. Meine beiden Freunde waren tolerant. Sie lachten mich nicht aus. Auch nicht, als es mir mit den Rollschuhen wieder genauso erging. Ich war einfach eine Niete in sportlichen Dingen. Die anderen Kinder kletterten auf Bäumen und Gerüsten herum, ich saß darunter. Sie rasten mit den Rollschuhen den Berg herunter, ich kroch auf Knieschützern über die kopfsteingepflasterten Einfahrten. Sie preschten mit dem Rad durch die Straßen, ich fuhr meine Runden auf meinem Puky.
Nur beim Schwimmen war ich besser. Das konnte ich schon sehr früh.

Ein paar Jahre später kam die Fahrradprüfung in der Schule. Und wer musste alles neu lernen? Ich.
Wieder später stand eine Radtour an der See an. Und wer konnte auf einem geliehenen Rad nicht fahren? Ich.
Aber diesmal wurde gelacht. Sie alle lachten. Die ganze Gruppe. Ich wäre ohnehin lieber zu Fuß gegangen oder in der Jugendherberge geblieben, aber es half ja nichts. Man musste dabei sein.

Ich bin froh, nun selbst entscheiden zu können. Inzwischen habe ich keine Angst mehr vor Fahrrädern ohne Rücktritt. Inzwischen kann ich ausreichend gut Rad fahren, auch auf neuen Rädern. Und außer einer kleinen Unsicherheit, wenn ich lange nicht gefahren bin, klappt es ganz gut.

Am liebsten jedoch gehe ich weiterhin zu Fuß spazieren. Da habe ich auch mehr Zeit, alle Details anzusehen, alles wahrzunehmen – und darüber nachzudenken, wie die Menschen auf den ein oder anderen Spruch gekommen sind.

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