Ein Tag in meinem Leben – Hawkeye

Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem Schluss, dass die Uhr es ernst meint und es tatsächlich erst fünf Uhr morgens ist. Erfahrungsgemäß ist das nicht die beste Zeit, um wieder einschlafen zu können. Ich verlasse also das Bett, um aus meinem Schaukelstuhl heraus die Liste der Mails abzuarbeiten, die sich in der letzten Woche im Postfach des Blogs angesammelt hat, und dabei eine Menge Kaffee zu konsumieren. Währenddessen werden vor meinem Fenster die Asche und die Gäste der gestrigen Grillparty zusammengefegt. Die nächsten anderthalb Stunden sind geprägt von Empfehlungen für Diagnostiker und dem Ausräumen von Missverständnissen zu meinen Texten.

Gemeinsam mit meinem MP3-Player und meiner Sonnenbrille bin ich auf dem Weg in die 9-Uhr-Vorlesung. Leute, bei denen ich schwöre, sie noch nie zuvor gesehen zu haben, grüßen mich. Ich grüße zurück. Als mir die ersten bekannten Gesichter begegnen, nehme ich die Kopfhörer heraus und ersetze meinen Standard-Gesichtsausdruck durch so etwas Ähnliches wie ein Lächeln, um mir die Frage zu ersparen, warum ich so mies drauf bin.

Zusammen mit einigen Kommilitonen bin ich auf dem Weg, den überfüllten Seminarraum gegen die überfüllte Mensa einzutauschen. Während irgendein Kommilitone von seinem Partywochenende erzählt, verarbeite ich noch die Aussicht auf eine gerade angekündigte mündliche Prüfung, die aber “nur ganz kurz und ganz entspannt sein wird”. Nachdem ich noch eine halbe Stunde unter einer brummenden Lampe in der Mensa verbrachte, komme ich zu dem Entschluss, vor der nächsten Vorlesung besser noch eine Weile den Kopf auf einer Tischplatte abzulegen. Dazu Beethoven und es bestehen realistische Chancen, dass ich nach der nächsten Vorlesung mehr als meinen eigenen Namen weiß. Die Frage, wie egal es mir sein sollte, wie das auf meine Kommilitonen wirkt, habe ich bis heute nicht abschließend für mich geklärt.

Nach zwei weiteren Stunden Vorlesungsnachbereitung und dem Nachlesen meiner Twittertimeline, lasse ich den Abend gegen Mitternacht mit ein paar Folgen M*A*S*H ausklingen. Dass ich die Folgen mitsprechen kann, spricht eher für als gegen die Serie. Während die Vorspannmusik in meinem Zimmer anklingt, wird der Grill vor meinem Fenster wieder aufgebaut.

Hawkeye ist Blogger und Podcaster, der seit einigen Jahren (meistens) rund um Autismus bloggt und podcastet. Was sonst noch in seinem Leben stattfindet, kann man auch auf Twitter lesen.
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Ein Tag in meinem Leben – Sam Becker

Für die Aktion “Ein Tag in meinem Leben” von fotobus habe ich euch eine Fotostrecke eines typischen Tages zusammengestellt.
Er zeigt in einzelnen “Polaroid”-Bildern den Ablauf des Tages, vom morgendlichen rituellen Einkauf bis zum Schlafengehen spät in der Nacht.
Wie man auf der Bilderstrecke erkennen kann, dreht sich nahezu mein kompletter Tagesablauf um unsere Vereinsarbeit.
Angefangen von der lästigen Büroarbeit, über Einzel- und Gruppengespräche in unseren Selbsthilfegruppen und Elternkreisen, bis zu der Online-Arbeit in der Autistenwelt, auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken.

Aber seht selbst …

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Sam hat auticare e. V. gegründet, einen Verein von und für Autisten, und ist dieses Jahr auch bei Aspies e. V. im Vorstand. Im Web ist sie hier aktiv:
AutistenWelt
Sam Becker bloggt
Sam Becker twittert
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Ein Tag in meinem Leben – outerspace_girl

Heute geht es weiter mit dem Projekt “Ein Tag in meinem Leben” mit einem Tag von outerspace_girl, viel Spaß beim Lesen.

Meine Zeit ist zweigeteilt – es gibt Arbeitstage und freie Tage.
Beide sind fest strukturiert und übersichtlich. Ich konstruiere sie sorgfältig und überlegt aus Terminen, Ritualen und Aufgaben. Lauter kleine Aktionsbausteine, die ich zu einem hübschen Turm stapele. Bauklötzchentage. Dabei versuche ich, die vorhandene Zeit optimal zu nutzen, ohne aber einen Overload oder eine Überforderung zu riskieren.
Schön sind sie anzusehen, meine sorgfältig gestapelten Zeitabläufe, meine Alltagstürme, doch sie sind fragil. Eine Unebenheit im Baugrund, ein Windstoß, eine Erschütterung in Form von Stress, zu starken Sinnesreizen oder spontan auftretenden Problemen genügen schon und das, was stabil scheint, bricht in sich zusammen, wird Chaos und lässt mich verwirrt und hilflos zurück.
Wie schnell mein Tagesturm fällt, kommt auf meine aktuelle Verfassung an, auf die Energie, die ich zur Kompensation von Problemen zur Verfügung habe und auf die aktuelle Belastbarkeit, die nie normale Grenzen erreicht.

Für einen Arbeitstag, denn Arbeitstage sehen immer gleich aus, nehme ich zuerst einen braunen Frühstücksstein, braun wie der heiße, duftende Kaffee, mit dem ich jeden Tag beginne. Ein großer und stabiler Stein, der einen guten Untergrund bildet und zwingend notwendig ist. Darauf setze ich den Workout-Stein. Die morgendliche Sporteinheit, die je nach Art des Tages eine halbe oder eine ganze Stunde dauert, ist rot, rot wie pumpendes Blut und brennende Muskeln und wird von dem blauen Badezimmerstein beschwert. Dass ein ansprechendes Äußeres die so schwierige Kommunikation mit Menschen vereinfacht, habe ich tief verinnerlicht und so investiere ich gern Zeit in dessen Pflege.
Das Mittagsklötzchen, das darauf folgt, ist hingegen gelb, wie die Banane, die fester Teil des Schälchens voll Obst ist, das es jeden Mittag gibt und ich muss den Stein für die Arbeit darauf zu balancieren, der wild gemustert ist, denn man weiß nicht, was er bringen wird. Groß ist er aber in jedem Fall, schwer zu heben und kann alles zum Kippen bringen, wenn man nicht recht aufpasst.
Nach diesem Zug überlegt man, mit dem Bauwerk aufzuhören, doch der Abschluss fehlt. Der schwarze Stein, der den Abend bildet, Ruhe symbolisiert, Rückzug, das so dringend nötige Alleinsein. In der Zurückgezogenheit kann ich neue Kraft tanken, meine Batterien aufladen und erlebtes verarbeiten.
Freie Tage sind anders zu gestalten, hier darf auch einmal eine soziale Interaktion stattfinden, eine Veranstaltung, ein Treffen mit einem Freund oder ein Arzttermin, denn dafür bleibt sonst keine Kraft übrig. Doch sehr oft bleibt man an diesen Tagen doch allein.

So verlebe ich normale Tage, einen nach dem anderen, ungezählte Stunden, die einem neurotypischen Leben im Grunde gleichen, aber so viel mehr Planung, Voraussicht und Stabilität benötigen, um zu funktionieren, um mich in ihnen funktionieren zu lassen. Alles ist sehr gut durchdacht. Platz für Spontaneität gibt es nicht, Unvorhersehbares lässt sich nicht einbauen. Das ist nicht immer schön und manchmal fühlt man sich, als baut man sich sein eigenes Gefängnis, aber man hat keine Wahl, ohne diese festen Strukturen ist kein normaler Alltag möglich. Und je besser ich meiner Umwelt vermitteln kann, wie diese funktionieren, wie ich funktioniere und wo meine Grenzen liegen, desto versierter werde ich in meiner Alltagsarchitektur.

outerspace_girl ist selbst Bloggerin, die tiefsinnige Texte über ihr Leben und das Asperger-Syndrom schreibt, und twittert auch passioniert.
outerspace_girl bloggt
outerspace_girl auf Twitter
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Ein Tag in meinem Leben – Fuchskind

Da fängt die Textreihe “Ein Tag in meinem Leben” ja gut an, so ganz ohne Text – dafür mit vielen Bildern vom Fuchskind!
Ich habe nämlich heute die Ehre einen ihrer Comics, extra für diese Reihe entstanden, zu präsentieren. Viel Spaß euch damit!

Comic von Fuchskind zum Projekt "Ein Tag in meinem Leben"

Fuchskind ist eine wunderbare Zeichnerin. Sie twittert und bloggt und zeichnet das Internet schön voll, was sie auch soll.
Fuchskind
Fuchskind auf Twitter

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Ich bin einfach nur noch müde

Sobald ein (vermeintlicher) Asperger-Autist eine Straftat begeht, sind die Medien fix, das möglichst fett in die Überschrift zu schreiben. Focus Online ist da gerne ganz vorn dabei.
Aktueller Fall:

“Er wollte sich wichtig machen” – BND-Doppelagent leidet unter Asperger-Syndrom

Da das Asperger-Syndrom absolut nichts mit einer Neigung zu Straftaten zu tun hat, stellt sich die Frage, warum das immer so dringend, noch dazu fett in der Überschrift, Erwähnung zu finden hat.
Gerne schreiben Autisten dann, zu Recht, dass das genau so wichtig ist wie die Augenfarbe, die ja nun auch keine Erwähnung in solchen Artikeln findet.

Und da kommt mir doch was hoch, was ich erst gestern sah. Eine Sendung mit dem Titel “Der Rassist ist uns” (ZDF-Mediathek, YouTube). Es geht dabei um ein Experiment, in dem Menschen mit blauen Augen diskriminiert werden, um die Mechanismen von Diskriminierung aufzuzeigen. Wichtig dabei ist unter anderem, möglichst oft Vorurteile plakativ zu schüren. Das funktioniert, das lässt die braunäugigen Menschen wirklich dazu übergehen, die blauäugigen Menschen herabzuwürdigen, durch forcierte selektive Wahrnehmung genau die Fehler bei den Blauäugigen zu sehen, die ihnen vorgekaut wurden.

Und genau das passiert eben auch durch solche Berichterstattungen, solche Erwähnungen des für die Tat irrelevanten Asperger-Syndroms!

Ich bin müde, so müde, dagegen wieder und wieder und wieder ankämpfen zu müssen. So müde.
Und die Medien lernen einfach nichts. So lernresistent. So hohl. – Oder so absichtlich?

Jetzt gerade warte ich einfach nur ab, welche anderen Blättchen das nun noch unreflektiert aufgreifen und darauf rumreiten müssen, statt es einfach mal wegzulassen so wie sie die Augenfarbe weglassen.

PS: Dass Focus Online selbst über die Sendung “Der Rassist in uns” berichtete, wirkt auf mich einfach nur wie blanker Hohn.
“Der Rassist in uns” – ZDFneo zeigt wie unerträglich leicht Rassismus funktioniert

Aktualisierung 12.07.2012 20:21 Uhr:
Genau das, was @h4wkey3 in seinem Artikel schreibt, genau das ist es, was ich meine mit der Diskriminierung durch die Medien, die von den Menschen aufgesogen wird:
Wovor ich Angst habe

Weitere Artikel dazu:
Medienfail, die 73483747ste.
Autismus, Asperger, dumme Berichterstattung und: persönliche Transparenz.

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Und jetzt alle: Flap your hands!

Stimming, was ist das eigentlich? Eine ganz typische Frage, wenn Menschen mit Eigenverdacht, gerade frischer Autismus-Diagnose oder auch Eltern autistischer Kinder in die Selbsthilfe kommen.

Auf Deutsch findet man immer noch verhältnismäßg wenige Infos zum Thema Stimming. Mitunter denken Menschen, ich hätte mich vertippt und redete von Stimmung. Einen wirklich guten, knackigen deutschen Begriff gibt es dafür auch nicht. Selbststimulierendes Verhalten, klingt irgendwie durchaus komisch bis missverständlich.
Recht erhellend finde ich dies zum Thema Stimming, denn Stimming ist sehr vielfältig:
http://par-la-fenetre.tumblr.com/tagged/serieabc/chrono

Stimming hat mehrere Funktionen. Kurz gesagt dient es der Reizregulierung.
Autisten sind oft von den Reizen der Umwelt (Licht, Geräusche, Gerüche, Berührungen …) oder auch im Menschen selbst (Körpergeräusche, Herzschlag, das Rauschen des Bluts …) geflutet. Stimming kann das regulieren.
Für mich bedeutet Stimming, dass ich damit sowohl Leerlauf ausgleichen kann als auch Überreizung reduzieren oder überlagern kann. Das ist durchaus wichtig für mich. Ohne Stimming kann man mich deutlich eher für den Rest des Tages einfach in die Ecke stellen, weil ich dann einfach noch schneller fertig mit der Welt bin als so schon.

Nicht jede Art von Stimming ist sozial anerkannt und kann in der Öffentlichkeit ausgeführt werden, ohne dass man damit auf die Menschen in seiner Umgebung mindestens merkwürdig wirkt – leider.
Auf dem Bahnsteig hin- und herzugehen ist etwas, was man machen kann. Mit dem Fuß wippen geht auch. Kugelschreiber klickern ist auch noch ok. Aber wenn man stark mit dem Oberkörper wippt oder mit den Händen flattert (hand flapping) oder gar verbal stimmt, also Geräusche erzeugt, dann sieht das schon anders aus. Kinder dürfen sowas noch, unter Erwachsenen ist das eher verpönt. Ggf. wird man sogar für geistig unterbelichtet gehalten. Wo auch immer da der Zusammenhang sein mag.

Und eben weil Stimming in der Öffentlichkeit oft nicht so gut ankommt, gibt es zahlreiche Therapien, die dieses “unerwünschte Verhalten” abtrainieren sollen. Ganz vorne dabei ist ABA, Applied Behavior Analysis, einfacher gesagt: Konditionierung. Und zwar als 30-Stunden-Woche!
Wie wunderbar das doch ist, wenn der Autist kein “unerwünschtes Verhalten” mehr zeigt. Da ist er doch glatt fast geheilt und kann in der Gesellschaft anerkannt leben. Hurra! Ja, das entbehrt gerade nicht eines gewissen Sarkasmus.

Nach außen ist dann alles super. Doch wie geht es dem Autisten damit? Wie kommt er klar, wenn er eins seiner wichtigsten Werkzeuge zur Reizregulierung durch hartes Training verloren hat? Wie ist es für ihn, wenn er zwar nicht mehr komisch angeschaut wird, dafür aber nur noch die halbe Zeit durchhält?

Bis die Gesellschaft da mehr Akzeptanz entwickelt, wäre es den Autisten gegenüber fairer, in Therapien das Stimming nicht abzutrainieren, sondern zum Beispiel unauffälligere Alternativen anzubieten und zu erklären, in welchen Situationen auffälliges Stimming besser zu meiden ist, um gesellschaftlich nicht immer am Rand zu stehen. So hat der Autist weitere Werkzeuge an der Hand und die Entscheidungsfreiheit, wann er Stimming wie anwenden möchte.

Als Endziel wünsche ich mir, dass Stimming schlicht bekannter wird, dass Nicht-Autisten darüber Bescheid wissen und es akzeptieren. Vielleicht sogar mal mitmachen!
Flap your hands!


Übrigens irre lesenswert:
http://www.spektrum.de/news/meinung-empathie-statt-eugenik/1295945 von Mela Eckenfels

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Was ist dran am autistischen Amokläufer?

Nach einem Amoklauf laufen in der Regel die Medien heiß, auch auf der Suche nach dem Grund, dem Schuldigen im Schuldigen. Was macht einen Menschen zum Amokläufer, zum Massenmörder? Was bringt einen Menschen dazu?

Eine Frage, die immer wieder mit Absurditäten beantwortet wird. Lange Jahre waren es die Killerspieler, jetzt sind es die Autisten. Aber was ist da dran? Kann man die Verantwortung so einfach auf Autismus schieben, wie es die Medien so gern so lapidar tun, selbst wenn klargestellt wurde, dass der Täter keine Diagnose aus dem autistischen Spektrum hat, wie im aktuellen Fall Elliot Rodger?

Mela Eckenfels hat sich die Mühe gemacht und eine Menge recherchiert zum Thema Autismus und Amoklauf.
Ihr Artikel erschien gestern bei Carta:
Autismus und Massenmord: Der konstruierte Zusammenhang

An dieser Stelle vielen Dank für den ausführlichen Artikel.

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