Offener Brief MMS

OFFENER BRIEF AN DAS HANNOVER CONGRESS CENTRUM UND DIE STADT HANNOVER (BETRIEBSAUSSCHUSS STÄDTISCHE HÄFEN UND HANNOVER CONGRESS ZENTRUM)

Sehr geehrter Herr Joachim König,
sehr geehrte Frau Anja Engelking,
sehr geehrte Frau Madeleine Angermann,
sehr geehrte Frau Sylvia Bruns,
sehr geehrte Frau Dr. Elisabeth Clausen-Muradian,
sehr geehrter Herr Jens-Michael Emmelmann,
sehr geehrter Herr Martin Hanske,
sehr geehrter Herr Dirk Hillbrecht,
sehr geehrter Herr Dr. Oliver Kiaman,
sehr geehrte Frau Helga Nowak,
sehr geehrter Herr Belit Nejat Onay,
sehr geehrte Frau Angelika Pluskota,
sehr geehrter Herr Lars Pohl,
sehr geehrte Frau Heidi Pohler-Franke,
sehr geehrte Frau Christine Ranke-Heck,
sehr geehrter Herr Gerhard Wruck,

mit großer Sorge haben wir erfahren, dass Sie vom 26. bis 29. April 2014 der Veranstaltung “Spirit of Health” Unterkunft bieten. Dieses Event ist gesetzeswidrig, unter anderem weil dort Chlorbleiche zur oralen Anwendung als Heilmittel für Kinder beworben wird.

Wir sind Autisten, Angehörige autistischer Menschen sowie Selbsthilfegruppen für autistische Menschen und Interessenvertretungen.

Die Veranstaltung, die zum angegebenen Datum im Kuppelsaal stattfindet, propagiert unter anderem die Anwendung des Mittels “MMS” oder auch “Magic Mineral Solution” oder “Magic Mineral Supplement”. Bei dem Mittel handelt es sich um gesundheitsschädliche Chlorbleiche, die zur oralen oder analen Anwendung empfohlen wird. Unter anderem das Bundesinstitut für Risikobewertung riet in seiner Stellungnahme 025/2012 dringend von der Einnahme von MMS ab (Anlage 1).

Die Veranstalter verbreiten dabei Heilsversprechen, die vermutlich § 3 des Heilmittelwerbegesetzes verletzen und damit möglicherweise nach § 14 sogar strafrechtlich relevant sind.

Personen, die mitten in Deutschland geltendes Recht brechen, sollten Sie kein Forum bieten.

Wir wenden uns auch vor allem deswegen an Sie, weil im Rahmen der Veranstaltung Personen namens Kerri Rivera und Dr. Andreas Kalcker einen Vortrag mit dem Titel “Autismus heilen” [1] anbieten.

Autismus ist, laut Diagnosehandbuch, eine “tiefgreifende Entwicklungsstörung” oder kurz erklärt: Das Gehirn von Autisten entwickelt sich anders als das anderer Menschen, besonders im Bereich der Wahrnehmung. Autisten können Reize schlecht filtern und vermeiden daher Körper- oder Blickkontakt, außerdem können sie Emotionen anderer Menschen schlecht deuten. Entsprechend sind ihre Reaktionen in sozialen Situationen oft unangepasst.

Da es sich um nachweislich neurologische Veränderungen – salopp gesagt – der Verdrahtung und der Hirnchemie autistischer Gehirne handelt, ist eine Heilung, erst recht eine kurzfristige, nach dem Stand der aktuellen Forschung unmöglich.

Allerdings sind autistische Kinder wie auch Erwachsene lernfähig und, wie alle Menschen, versuchen sie Verhalten zu vermeiden, das bestraft wird. Die Gabe von MMS oral und MMS-Einläufe lösen schwere Durchfälle, Fieber und Erbrechen aus. Dies wird von MMS-Befürwortern als Zeichen dafür gesehen, dass die gewünschte Wirkung eintritt.

Wir dagegen sind der Ansicht, dass die “Besserung” autistischer Symptome, die Kerri Rivera und andere MMS-Anwender beobachtet haben wollen, eher darauf zurückzuführen ist, dass die so behandelten Kinder versuchen, unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken, um weitere MMS-Gaben zu verhindern.

Wir werten MMS als Mittel der körperlichen Bestrafung und der Kindesmisshandlung.

Wir bitten Sie daher, den Vertrag mit den Veranstaltern von “Spirit of Health” zu kündigen und Kindesmisshandlung keine Plattform zu bieten.

Mit freundlichen Grüßen

Informationen zu MMS:

Weitere Unterzeichner:

  • Anita
  • Ismael Kluever
  • Andrea Dünow Autismus Peine SHG
  • Sonja Sellner
  • Sabrina
  • Denise Linke
  • Nici
  • sharinchen
  • Sabine
  • mellissandra
  • Sabsi
  • gedankenkarusell
  • Katzenmama
  • Andreea Tribel
  • Karin Krettek
  • Kathrin Raunitschke
  • Ina Scheffel, Zerbst
  • Yvonne Münch und im Namen der SHG Leben mit Autismus Diepholz/Vechta
  • Stefanie Zenker
  • Alexandra Lais
  • Janina Bürger
  • Katja Wist
  • Svenja
  • Alexander Erfurt
  • Bärbel Möller
  • Luca-André Weidner
  • Roswitha Gaßmann
  • Andreas Obermayr
  • Tanja Krüger
  • Britta.K
  • Jürgen Heimlich
  • Jessica Preiß
  • Anna Frey
  • Sarah V.
  • Stefanie Dell
  • Helmut Appl
  • Regina Koschinski
  • Dagmar Schulz
  • Tanja
  • Desiree Glenz
  • Milena Herrmann
  • Kai Fischer
  • Florian Schulz
  • Andre Engelmann
  • Anita Bukvic
  • Stephanie Magri
  • Nicole Westermann
  • Ines Bräuer
  • Diana Krüger
  • Kai Kraze
  • Barbara Frey
  • stephancologne
  • Nicole Paxton
  • Nicole Letsch
  • Katarina Wulf
  • Joachim Hirschberg
  • Thomas Hesmert
  • Peter Ofenbäck
  • Natascha Stein
  • C. Wagner
  • Asis Nasseri
  • Raffaello Grani
  • Laura Gabriel
  • Celine Heilig
  • Jörg Ruschulte
  • Melanie Mohr
  • Debbie Novotny
  • Tamara Pelgrims
  • Peter Otten
  • Markus Kutscher
  • Heiko Klix
  • Kathy
  • Johannes Riecke
  • Isabell Berzel
  • Sandra Kösters
  • Sabrina Fiederling
  • James Simmonds
  • Conny Nicolai
  • Peter Dippmann
  • Anika Hofmann
  • Christian Weiskopf
  • Katharina Hansen
  • Christian Kluggen
  • Jana
  • Felix Gumbert
  • Sabine
  • tywunon
  • bundeskater
  • vgoebbels
  • Helma Kraze
  • Nils Lorenz
  • Jessica Pieper
  • Angelika Dumke – gigidumke
  • Doreen
  • Claudia Kruse, Wiesmoor
  • Ursula Schulz
  • Moni Ellerbeck
  • Autzeit
  • Martina Munzel, autWorker eG/autSocial e. V.
  • Reinhold Roppert
  • Tina Crimmann, Asperger Frauen Leipzig
  • Jörn de Haen, Therapeut
  • Melanie Schmid
  • Janina Bürger
  • Enno Park
  • Hilde Junker
  • anomaspe
  • Lasse von Dingens/@asperix
  • Maxen, Christian
  • Amy
  • Martin Vogel
  • Katja Kötz
  • Ulla Meier
  • Robert Klohe
  • Sonja Riege
  • Heiko Schott
  • Timo Ewalda
  • Lisa Huber
  • Maria Papiomitoglou
  • Beate Frenzer
  • ganzgans
  • BloO
  • Rafael Moreno
  • Michaela Lohmann
  • Julia Schönborn
  • Corinna John
  • Martin Ingenhoven
  • Julia Probst
  • milan vom hau
  • Sandra Spuck
  • Sven Gröhl
  • Nelli Hofer
  • Sara von Salis
  • Johannes Lewke
  • Nicole Hebing
  • Jens Stiewe @pnullsti (twitter)
  • G. Kellermann
  • Mirjam Ruschulte
  • Bettina Vatter
  • Tanja Serapinas
  • J.B., Tübingen
  • Stefanie Rose
  • Andreas Bender
  • Michael Schmitz
  • knuwe1
  • Tanja Kleiböhmer
  • Andreas Sons
  • Lukas Vels
  • monika
  • René Reichelt
  • mirabilos
  • Silke Ehrenberg
  • David Kreutz
  • Ann K.
  • Autisten im Netz
  • Lutz Siebert
  • Silvia Prochnau
  • Andrea Bröcker
  • Antje von Dobschinski
  • Maximilian Dachs, Ingolstadt
  • Peggy Arbeiter
  • André Sebastiani
  • Sebastian Schrage
  • Alexander Schliebner
  • Maxim Steinpreis
  • Karin Riedhammer
  • Flo
  • Oliver Schwabedissen
  • Tamara Wagner
  • Florian Barbarino
  • Barbara Bela
  • Dieter Kießer
  • C. Klein
  • S. Küsters
  • Sabrina Stolzenberg
  • yousitonmyspot
  • Knut Pankrath
  • Jules Eins
  • Edith Nebel
  • Rainer Bendig
  • Doris Gresselmeyer
  • Susanne Ackstaller
  • Uwe Scholz, 35410 Hungen
  • Laszlo Riedl
  • Astrid Semm
  • Mark Lorenz
  • Cordula Rode
  • Martje Henrike Rode
  • Ruedi Oswald
  • Angelika Lauriel
  • Hannah Thiel-Niesner
  • Nadja Lüders
  • Silvia Harnisch
  • Stefan Roßkopf
  • Christine Erbe-Salje
  • Imke Heuer
  • Heike Dube
  • F. Knorpp
  • M. Nimke
  • dieCarina
  • Andrea Kamphuis
  • Pia Ziefle
  • Aldaris Adun
  • Nicole Podschadel
  • Frauke Gonsior
  • gillatra
  • Bianka Storks Gründerin & Leitung http://www.kinder-mit-autismus.de
  • wenzel
  • Conny
  • Christian Schüning
  • Kakerlake
  • Bianca Jakulaz
  • edyta
  • Melanie Oellers
  • Frank Oellers
  • Julia Dombrowski
  • christinaf
  • iamwhatiam79
  • Martina Rauterkuß
  • Da Ri
  • Claudia Hartel
  • Lutz Hallay (@xumatik)
  • Cora
  • @Amused_Femme
  • ESH – Enthinderungsselbsthilfe von Autisten für Autisten (und Angehörige)
  • Tatiana Parmaksiz
  • Oliver Kreimer
  • Mirja Hoechst
  • Mel Buml
  • Eric Eggert
  • Stefanie Ndala-Hülswitt
  • Maren Henke
  • Barbara Haane
  • Susanne Schanz
  • Nadja Lüders
  • Sarah Ete
  • Nina @werkeltagebuch
  • Fiona Peters
  • Benjamin Weiß
  • Frank Peters
  • Diana Hoffmann
  • Bianca T.
  • Birgit Gläßel
  • Nico S.
  • Tanja K.
  • Thorsten Reinbold
  • butterblumenland
  • Cosima Wolter
  • Richard Glaab
  • Susanne Aust
  • die Michi
  • Andreas Großhardt

Per Kommentar darf gerne noch mitgezeichnet werden.

Fußnote
[1] Der Vortrag wurde von den Veranstaltern inzwischen in “Autismus erfolgreich behandeln” umbenannt, was die dadurch getroffene Aussage lediglich etwas entschärft und verschleiert. Weder existiert eine ursächliche Behandlung gegen Autismus noch ein wirksames Medikament. Auch die Behauptung, Autismus erfolgreich behandeln zu können, ist nicht zutreffender als die Behauptung, Autismus heilen zu können.
Zurück in den Text.

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Füreinander da sein

Füreinander da sein, was bedeutet das eigentlich?
In Beziehungen, Freundschaften? Das ist so ein Schlagwort für zwischenmenschliche Beziehungen: Füreinander da sein.

Diese Worte haben etwas sehr Zueinandergewandtes, etwas Beiderseitiges.
Zuerst denkt man sicherlich an Verben wie trösten, kuscheln, zuhören, Rat geben, Lösungen suchen für und mit dem Partner.
Es könnten einem Situationen wie diese einfallen:
Der Partner kommt von der Arbeit, dort ist es derzeit sehr stressig. Man fragt ihn, wie es ihm geht, er klagt einem seinem Leid und man bemüht sich dann, ihm zuzuhören, Rat zu geben, einen gemütlichen Abend zu zweit mit gutem Essen zu gestalten … Gemeinsame Dinge eben, füreinander.

Doch reicht diese Definition aus, um den Begriff vollumfänglich zu begreifen?

Ich möchte gerne eine Ebene höher gehen in der Definition. Füreinander da sein.
Das bedeutet doch, die Bedürfnisse seines Partners zu erfahren, zu verstehen und zu achten.

Wenn zwei Partner sehr ähnliche Bedürfnisse haben, dann fällt das leicht. Denn von sich auf andere zu schließen ist leicht. Wenn es mir schlecht geht, will ich A, also gebe ich meinem Partner A, wenn es ihm schlecht geht. Das funktioniert, wenn die Bedürfnisse meines Partners meinen ähneln.

Füreinander da sein.
Das kann aber auch mal bedeuten, dass der Partner einem Rückzug gewährt. Dass der Partner zulässt und versteht, warum man jetzt gerade den Partner nicht sehen möchte, sondern Zeit für sich braucht.
Dieses Bedürfnis ist vermutlich seltener als das Bedürfnis nach Trost, Umarmungen, Gesprächen etc., aber es ist ein mögliches Bedürfnis, dessen Achtung auch füreinander da sein bedeutet.

(Asperger-)Autisten zum Beispiel sind so Menschen, die eher mal solchen Rückzug für sich brauchen.
Ein Beispiel kann sein:
Der Asperger-Autist hat Stress bei der Arbeit. Vom Arbeitgeber kann er schlecht erwarten, dass dieser das Bedürfnis nach Rückzug akzeptiert. Der Partner jedoch, bei dem gilt diese “Regel”, füreinander da zu sein. Der Partner ist der, der es verstehen sollte, den Rückzug gewähren sollte. Dem Partner dahingend vertrauen schenken zu können, dass er für einen da ist, indem er den Rückzug akzeptiert, der in vielen anderen Lebensbereichen schlicht nicht möglich ist ohne existenzbedrohende Konsequenzen.

Füreinander da sein. Das ist also mehr als man auf den ersten Blick so denkt.
Wenn man einen Partner hat, der in seinen Bedürfnissen von den eigenen abweicht, müssen beide immer wieder schauen und prüfen, was gerade das Bedürfnis des Partners ist und es achten und zu erfüllen versuchen. Von sich auf den Partner zu schließen, kann dann schiefgehen.
In einer Beziehung zwischen (Asperger-)Autist und Nicht-Autist kann es dann schnell passieren, dass sich der eine bedrängt und der andere vernachlässigt fühlt.
Denn der Rückzug bedeutet mitunter auch einen kompletten Kontaktabbruch auf Zeit. Da kann ein Telefonat oder eine E-Mail schon zu viel sein. Da geht es nicht zwingend nur um rein körperliche Nähe, sondern dass wirklich Ruhe gebraucht wird vor den Personen, wo es eben möglich erscheint, sie zu bekommen. Einfach um die Kraft für die Lebensbereiche zu haben, die man nicht abschalten kann.

Füreinander da sein. Das kann eben doch auch mal bedeuten, weg zu sein.

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Was machen Autisten eigentlich nachts?

[00:16:54] [A] ich lern beim häkeln das kleine einmaleins oO
[00:17:24] [B] oh ok
[00:17:27] [B] braucht man das
[00:17:41] [A] in allen anleitungen steht immer nur: in reihe 2 jede masche verdoppeln, in reihe 3 jede zweite, in reihen vier jede fünfte und so
[00:17:52] [A] und es gibt sogar zu- und abnahmetabellen
[00:18:10] [A] aber ich hab nen einfachen trick gefunden für mich, den ich nie irgendwo las
[00:18:26] [B] ok?
[00:18:27] [B] was?
[00:18:59] [A] also, ich hab es zuerst so gemacht: beispiel jede 4. masche verdoppeln
[00:19:58] [B] ok?
[00:20:13] [A] da hab ich also gezählt: 1-2-3-4-5-6(1)-7(2)-8(3)-9(4)-10-11(1)-12(2) usw
[00:20:17] [A] ich tippe lahm
[00:20:20] [A] warte ab
[00:20:41] [A] so, also hab ich dann dauernd doppelt gezählt, die maschen an sich und immer bis vier
[00:20:46] [A] und das nervt
[00:20:52] [A] und jetzt fiel mir auf:
[00:21:10] [A] wenn ich jede 4. masche verdoppeln muss, ist das 5er-einmaleins wichtig
[00:21:21] [A] jede 5. masche kommt in dieselbe masche wie die davor
[00:21:43] [A] also zähle ich nur noch die maschen und pass auf, wann es durch 5 teilbar ist
[00:21:51] [B] also X 5 multipizieren
[00:22:17] [B] bzw kucken ob teilbar durch 5
[00:22:18] [B] das is easy
[00:22:24] [A] ja, eben
[00:22:43] [A] immer eine höher. also wenn jede 3. masche verdoppelt werden soll, muss es durch 4 teilbar sein
[00:22:58] [B] gut das is auch easy
[00:23:02] [A] wenn jede 8. masche verdoppelt werden soll, muss es durch 9 teilbar sein
[00:23:12] [A] total geil
[00:23:17] [B] “/2 /2
[00:23:21] [A] nur so erklärt es einem keiner
[00:23:35] [B] ja das sind halt sozusagen auch zahlensysteme
[00:23:42] [A] das heißt: ich hab ganz alleine einen häkelalgorithmus entwickelt ^^
[00:23:59] [A] ich werd jetzt mathematiker ^^
[00:25:09] [A] ich fühle mich gerade ziemlich sheldon ^^
[00:25:10] [B] es ist ja so
[00:25:25] [B] wenn du im 2er system zählst dann:
[00:25:52] [B] 0,1,10,11,100,101,110,111
[00:25:58] [B] im 3er
[00:26:21] [B] 0,1,2,10,11,12,20,21,22
[00:26:25] [B] im 4er
[00:26:48] [B] 0,1,2,3,10,11,12,13,20,21,22,23,30,31
[00:26:51] [B] usw
[00:26:58] [B] im 16er
[00:27:07] [B] 0,1,2,3,4,5,6,7,8,9,a,b,c,d,e,f
[00:29:03] [B] also das entspricht der teilbarkeit jeweils
[00:29:38] [A] ja, eh klar
[00:38:25] [A] ich frag mich nur, ob das noch jemand so macht wie ich oder ob alle echt doppelt zählen oder diese tabellen beglotzen
[00:39:15] [B] vermutlich schon
[00:39:24] [B] also das es auch jemand macht wie du
[00:39:29] [B] weil es is naheliegend
[00:40:43] [A] aber warum beschreibt es dann niemand so?
[00:42:47] [B] hmm keine ahnung
[00:43:06] [B] evtl finden “wir” es halt naheliegend
[00:44:05] [A] möglich
[00:44:14] [A] dabei bin ich alles, aber kein mathefreak
[00:44:14] [B] hmm 7
[00:44:26] [B] 7 ist ungemütlicher zum testen
[00:44:31] [B] also /7
[00:44:42] [B] 2,3,4,5,6 sind einfach
[00:44:55] [B] 6 ist durch 3 teilbar und durch 2 teilbar
[00:45:04] [B] 3 ist quersumme ist durch 3 teilbar
[00:45:09] [A] http://www.oreilly.de/catalog/haekelnkgger/
[00:45:55] [B] 8 = /2 /2 /2
[00:45:59] [B] 9 keine ahnung
[00:46:03] [B] 10 is easy
[00:46:05] [A] was tust du?
[00:46:14] [A] ich kann dir nicht folgen
[00:46:18] [B] welche von den zahlen leicht zu bestimmen sind
[00:46:34] [B] also wo ist /zahl leicht zu rechnen ob es aufgeht
[00:46:45] [B] leicht ist es bei 2,3,4,5,6,8,10
[00:46:58] [B] 7 und 9 sind schwerer zu rechnen
[00:47:19] [A] ich weiß ja nicht mal, was du da rechnest
[00:47:23] [A] und wozu
[00:48:03] [B] ok so würd ich es halt rechnen
[00:48:30] [A] wenn du mir mal erklären könntest, was daran rechnen ist, was du da geschrieben hast
[00:48:36] [B] C meinte ich würde verrückter wissenschaftler werden
[00:49:02] [A] also, was ich mache: fadenring mit 8 maschen
[00:49:18] [A] zweite reihe jjede mashce verdoppeln, das ist einfach, macht 16 maschen
[00:49:25] [B] die frage is ja wenn man die reihen zählt dann muss mann immer nach n reihen verdoppeln
[00:49:42] [B] entweder zählt man halt immer hoch auf n
[00:49:52] [B] oder man zählt einfach alle reihenn
[00:49:55] [A] dritte reihe jede zweite verdoppeln, also alles was durch 3 teilbar ist, kommt in dieselbe masche wie die davor
[00:50:15] [B] und kuckt eben ob zb durch 3 teilbar
[00:50:21] [B] oder durch 4 teilbar
[00:50:24] [B] oder durch 5
[00:51:05] [A] vierte reihe jede dritte masche verdoppeln, also alles was durch 4 teilbar ist, ommt in dieselbe masche wie die davor, macht dann schon 32
[00:51:10] [A] davor warens 24
[00:51:26] [B] und ich überlege mir warum man das nicht so beschreibt
[00:51:35] [A] fünfte reihe jede 5 masche verdoppeln, teiler 6 in dei gleiche masche, macht 38 maschen
[00:52:22] [B] ab 6 wird es doof
[00:52:22] [B] bei teiler 7
[00:52:26] [A] was bedeutet 8 = /2 /2 /2
[00:52:34] [A] das sagt mir nichts, also gar nichts
[00:52:36] [B] weil durch /7 scheisse zu rechnen ist
[00:52:49] [B] das ist 3 mal durch 2 teilen
[00:52:59] [A] wozu sollte ich dreimal durch zwei teilen?
[00:53:07] [B] wenn das klappt dann ist die zahl durch 8 teilbar
[00:53:28] [A] das würd mich kirre machen, weil ich dann bei allem, was durch zwei teilbar ist, ins stocken käme
[00:54:13] [A] da müsste ich dann bei jeder durch 2 teilbaren zahl überlegen, wie oft sie durch 2 teilbar ist, also rechne ich lieber gleich durch 8
[00:54:43] [A] 7 ist eh die schwerste zahl im kleinen einmaleins
[00:54:51] [A] 9 wäre /3/3/3
[00:54:52] [B] ja 7 und 9
[00:54:58] [B] ja
[00:55:08] [B] wobei eben /3 mit nem trick prüfbar ist eben
[00:55:22] [B] 125321 teilbar durch 3?
[00:55:35] [A] das wäre mir zu kompliziert, dann hab ich das kleine einmaleins lieber einfach so im kopf
[00:55:52] [A] nein
[00:56:08] [A] die quersumme muss auch durch 3 gehen
[00:56:13] [B] ja
[00:56:18] [A] den trick kenn ich
[00:56:24] [B] ok
[00:56:44] [B] /3 finde ich schwere wie /2
[00:56:51] [A] hmm
[00:56:58] [A] 3 ist meine lieblingszahl
[00:57:01] [B] also zahl halbieren mache ich problemlos
[00:57:10] [A] halbieren ist eh easy, klar
[00:57:11] [B] /3 finde ich schwere zu rechnen
[00:57:25] [B] auch schwerer wie durch 8 oder durch 4
[00:57:36] [A] nö
[00:57:47] [A] dritteln ist schön
[00:57:55] [B] hmmm
[00:57:57] [A] wobei ich halt eh zu doof zum rechnen bin
[00:58:20] [B] wir sollten diesen chat speicher :P
[00:58:28] [B] und als besonders autistisch ausstellen hehe
[00:58:29] [B] :)
[00:58:41] [A] soll ich ihn bloggen?
[00:59:07] [B] ja mach
[00:59:18] [A] dabei oute ich mich aber als mathedumpfbirne ^^
[00:59:27] [B] heheh
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Der perfekte Abend

Selten ist’s, dass alles passt, selbst wenn man’s plant.

Silvester allein, Fondue und Filme – und natürlich Dinner for One. So sollte es sein. Doch waren es die ungeplanten Details, die den Abend perfekt machen sollten.

Auf den letzten Drücker, wie immer, am späten Nachmittag noch staubsaugen, wie soll so denn alles klappen? Das wird doch wieder knapp.
Schnell noch alles aufbauen, Fondue, die Zutaten noch schneiden, das Gurkenglas öffnen, Cola, Met-Sekt, den Aschenbecher endlich mal auswaschen, Laptop ins Wohnzimmer, Fett schmelzen, das Passwort vom Laptop vergessen haben, hektisch suchen und denken, Zugang zum Lappi kriegen, oh, das Brot noch, und aufs Fett achten, das schon schmilzt, die Tische rücken, den Sitzsack passend legen, alle Fernbedienungen parat … Ohohoh.

Und plötzlich sitze ich da, Lappi läuft, alles steht bereit, das Fett brodelt auf dem Rechaud, der erste Spieß steckt im Topf und exakt jetzt beginnt Dinner for One. Perfekt!
James kümmert sich vorbildlich um Miss Sophie, wie jedes Jahr, bringt sie liebevoll zu Bett, wo sie sicherlich noch Spaß haben werden. Ich lege in plötzlicher Eingebung “Die Zeitmaschine” ins DVD-Fach, ohne mir bewusst zu sein, dass der Film an einem 31.12. des Jahres 1899 beginnt. Wie passend, wie wunderbar. Ich schaue ihn auf Englisch, auf Deutsch sah ich ihn schon oft, aber lang ist’s her.
Und wie immer verschwindet am Ende der Zeitreisende für immer, eine Art heitere Melancholie beendet den Film, mein Fondue schmeckt mir derweil und die Stimmung passt wunderbar.

“Jetzt 20.000 Meilen unter dem Meer”, denke ich, lege den Film auf, fülle nach etwas Ärger mit der Kindersicherung die Brennpaste auf, starte die dritte Runde Fondue und den Film. Kindheitserinnerungen, ich singe mit Ned Land das Lied über die Hafenbräute, erfreue mich an der Optik der für mich einzig wahren Nautilus.
Gerade beschließe ich, dass die beiden Spieße mit Fleisch und einem Pilz die letzten sein werden für heute, so satt bin ich, da geht genau passend die Flamme unterm Fonduetopf aus und beschließt dasselbe. Passend, wunderbar, perfekt!

Der Film läuft noch eine Weile, ich bestaune die Bilder, die tolle Filmtechnik für die Zeit. Und plötzlich ist es Mitternacht. Ich proste dem Internet zu mit meinem Met-Sekt, schreibe ein paar SMS, die problemlos rausgehen, keine Netzprobleme, und genau jetzt geht die Insel im Film in einem großen Feuerwerk unter, explodiert und beendet den Film, während draußen ein ganz anderes Feuerwerk beginnt. Wie perfekt!
Ich staune aus dem Fenster, staune auch vom Balkon herab, genieße kurz die Nachtluft und die Farben.

Jetzt wird es ruhig, ich schaue den Rest des “The Big Bang Theory”-Marathons auf Pro7, lümmle dabei im Sitzsack herum, bringe zwischendurch den Rest Fleisch in den Kühlschrank, falle wieder in Ruhestellung und genieße den Beginn des neuen Jahres.

Was auch immer im alten Jahr war, wie auch immer das neue Jahr wird. Dieser eine Abend war durch viele Details, ungeplante nette kleine Zufälle, schlicht und einfach perfekt so wie er war.

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Ein schönes Erlebnis

Vorgeschichte:
Heute fuhr ich mit dem Zug durch die Gegend. Am Bahnsteig stand geschrieben, der Zug würde in X getrennt werden, ein Teil führe dann nach Y weiter, der andere nach Z.
Ich jedoch wollte nach W!
Was ich nicht wusste, war, ob W nun vor oder hinter X liegt von meinem Startpunkt aus. Und wenn es hinter X läge, welcher Zugteil nun durch W führe. Ich ahnte zwar, dass W vor X liegen müsste, war aber doch unsicherer als erwartet.

Geschichte:
Der Zug steht schon da, hat Aufenthalt, ich habe noch Zeit. Ich suche mit den Augen den Bahnsteig ab, suche Bahnuniformen, scanne nach Menschen, die wissend wirken. Wie erkennt man Menschen, die wissend wirken?
Keine Uniformen. Ein einsteigender Herr. Er weiß nichts, obwohl er wissend wirkt.
Ich tigere noch ein wenig auf dem sich leerenden Bahnsteig auf und ab. Dunkelheit kriecht rund um den Bahnhof und kann ihn doch nicht durchdringen. Dann steige ich ein, in den Zugteil nach Y. Gucke mich um, suche einen Platz, der mir zusagt, suche wissende Gesichter.
Da sitzt eine Frau, ich sehe ihr Profil von schräg hinten auf einem Vierer, der Vierer auf der anderen Seite ist frei. Dahin will ich. Im Setzen frage ich meine Frage, sehe ihren Sohn, einen jungen Mann, neben ihr, richte die Frage auch an ihn. Er hat deutlich sichtbar das Down-Syndrom.
Die Dame schüttelt den Kopf, der junge Mann erklärt mir, laut und lächelnd, wo ich lesen kann, wohin der Zug fährt. Ein Mann eine Reihe hinter den beiden bejaht, dass W vor X liege, ein Mann eine Reihe vor mir erklärt, wo der Zug geteilt würde.
Nicht jede der Antworten ist so hilfreich wie gewünscht, alle zusammen ergeben aber ausreichend Information, mich zu beruhigen. Und der junge Mann mit Down-Syndrom lächelt mich an.

Dann wendet er sich seinem Buch zu, das Cover wirkt kindlich, “Wie man seine Eltern erzieht“. Er erklärt seiner Mutter etwas über das Buch, plant das Silvesteressen mit ihr, lächelt mich an, erzählt seiner Mutter etwas über seine Hörbücher.
Derweil sitzt mir gegenüber plötzlich eine Dame, wie aus dem Nichts, im Kreis häkelnd. Ich weise auf meine Mütze. “Auch selbstgemacht”, sage ich. Sie weist auf ihre auf ihrem Kopf und nickt. Dann erklärt sie mir Häkeltechniken, duzt mich wie selbstverständlich, ich duze wie selbstverständlich zurück. Keine Brücke zu bauen, eine Ebene, einfach so.
Sie bekommt neue Ideen für ihre Mütze beim Erklären, freut sich darüber, berichtet vom Neffen, der schon pingelig würde mit Kleidung, aber ihre Mütze möge, die sie ihm schenkte. Draußen kriecht die Dunkelheit umher und kann uns im Zug nichts anhaben.
Dann steigt sie aus.

Zwei Stationen weiter sind auch Mutter und Sohn daheim, er hatte mir schon laut erklärt, wo er wohnt, ich erzählte ihm, wo ich wohne. Er verabschiedet sich lächelnd, wünscht mir einen schönen Abend und ein schönes Wochenende. Ich wünsche es ihm ebenso.

Nun bin nur ich übrig. Mein Hörbuch kommt zum Einsatz. Einmal muss ich noch umsteigen an einem weiteren dunkelheitumkrochenen Bahnhof.
Doch in meinem Herzen strahlen diese Menschen, die häkelnde Dame, der junge Mann mit Down-Syndrom und seine Mutter, so nett und hilfsbereit, die beiden hilfsbereiten Herren. Menschen, die sind wie sie sind, die andere Menschen nehmen wie sie sind.

Das letzte Lächeln des jungen Mannes, das habe ich mir mitgenommen. Die herumkriechende Dunkelheit wird mich nicht kriegen, nicht heute Nacht.

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Erlebenswelten

Mit der Empathie ist das so eine Sache. Da gibt es viele Theorien, viele Aussagen, viel Gelaber.
Ich gehe ja gerne mit Paul Ekmans Einteilung in kognitive und emotionale Empathie, und somit mit der These, dass Autisten die kognitive Empathie oft schwerfällt, die emotionale aber genauso ausgeprägt ist wie bei Nicht-Autisten (NA) auch. Und eben auch individuell verschieden stark, wie eben bei NA auch.
An dieser Stelle könnte jetzt noch ein langer Absatz über die Intense World Theory kommen als mögliche Erklärung für das Problem des Lesens nonverbaler Signale, also dem Hapern der kognitiven Empathie, aber da verweise ich einfach mal hier hin:
https://medium.com/matter/70c3d64ff221

Nun fällt mir bei der Hilfe zu Problemen mit Tieren oft auf, dass Menschen generell sich nur schwerlich in die Tiere hineinversetzen können.
Sie schließen sehr oft von sich aufs Tier. Vermenschlichen das Tier also in gewissem Maße. Der eine mehr, der andere weniger.
So lese ich zum Beispiel, wie viel Spaß so ein Hamster doch hat, wenn ihm nach der Komplettreinigung seines Geheges auch noch die komplette Einrichtung umgestellt wird. Wie glücklich er dann rumwuselt und alles neu erkundet. Tatsächlich ist der Hamster in dieser Situation allerdings in einer hochangespannten Stresssituation. Man muss sich das einfach mal anschauen, wie der Hamster so lebt in der Natur, welche Sinne für ihn wichtig sind, wie er die Welt erlebt und wahrnimmt, um dahinterzukommen, dass schon die Komplettreinigung an sich für ihn einer Katastrophe gleichkommt, einem Revierverlust, da all seine gesetzten Duftmarken, an denen er sich orientiert, verschwunden sind. Wenn dann auch noch die Einrichtung gänzlich umgestellt wurde, kommt dies für den Hamster einem Umsetzen in ein gänzlich neues Revier gleich. Er wird es nicht mehr als sein Revier erkennen. Dass Hamster dabei mit einem massiv erhöhten Herzschlag und sogar Fieber reagieren, hat Professor Gattermann von der Uni Halle bereits nachgewiesen. Adrenalin pur, Stress pur, der Hamster wuselt also herum und erkundet alles neu, weil er gestresst ist, sucht sein Revier, kann es nicht finden, muss sich damit abfinden, dass er mal wieder nicht mehr dort leben kann, wo er eigentlich lebte. Sein zu Hause ist weg!
Daraus ist zu schließen, dass man ein Hamstergehege nur selten und stets nur zum Teil reinigt und dabei nicht auch noch die Einrichtung umstellt. Eigentlich einfach zu erfassen.
Doch manche Menschen beharren darauf, dass das Tier doch “sichtlich” Spaß habe.

Daraus schließe ich nun für mich, dass es Menschen offenbar schwerfällt, sich in andere Erlebenswelten einzufühlen oder einzudenken. Die Empathie versagt stärker, je weiter die Erlebenswelt des per Empathie zu erfassenden Wesens vom eigenen Wesen entfernt ist.
Ich gehe so weit zu sagen, dass Empathie nur dann einigermaßen brauchbar funktioniert, also das intuitive Erkennen der Gefühle des Gegenübers und auch das intuitive Mitfühlen, wenn das Gegenüber einem möglichst nahesteht in der Erlebenswelt.

Nun wird Autisten stets mangelnde Empathie nachgesagt.
Autisten haben eine durchaus mehr oder weniger stark abweichende Erlebenswelt von der der NA. Da ist es also, meiner Theorie nach, nur allzu logisch, wenn es ihnen schwer fällt, sich in NA hineinzuversetzen, intuitiv. Die Empathie versagt also umso mehr, je weiter weg der andere Mensch ist. Bei Autisten untereinander kann das meiner Beobachtung nach aber durchaus besser klappen. Auch nicht bei allen gleich gut, aber das tut es bei NA auch nicht bei allen gleich gut.

Wichtig ist jetzt aber der Umkehrschluss:
Wenn sich jeder Mensch rein empathisch, also intuitiv, in andere Menschen dann umso besser hineinversetzen kann, wenn die Erlebenswelt sich möglichst ähnelt, dann kann auch ein NA sich umgekehrt nicht gut in einen Autisten hineinversetzen. Und genau das erlebe ich immer wieder und frage mich, wer denn hier nun ein Problem mit Empathie hat.

Für mich schließe ich daraus, dass es auf beiden Seiten überhaupt keine Probleme mit der Empathie gibt, sondern dass Empathie schlicht nur so funktioniert, wie ich es eben beschrieb. Und allein weil Autisten die Minderheit sind, sind sie es, denen dann ein Mangel an Empathie nachgesagt wird.

Gehe ich jetzt also davon aus, dass mit der Empathie alles in Ordnung ist, sowohl bei NA als auch bei Autisten, und sie schlicht nur dann gut funktioniert, je näher man sich in der Erlebenswelt ist, muss ich einen anderen Schritt gehen:
Wenn ich mich also in jemanden hineinversetzen will, dessen Erlebenswelt mir fremd ist, so muss ich seine Erlebenswelt kennenlernen und denken. Ich muss also gedanklich meine eigene Erlebenswelt verlassen, die andere Erlebenswelt bewusst zu erfassen versuchen, so gut es geht. Und dann kann ich bewusst (statt intuitiv) überlegen, wie es dem Wesen ergehen mag. Ob es dem Wesen in einer Situation, die ich selbst toll fände, auch zwingend gut gehen muss. Oder ob das auch ganz anders sein kann. Wie bei dem Hamster, der es nun mal aufgrund seiner Erlebenswelt nicht so geil findet, wenn man ihm seine Duftmarken klaut und die Möbel umstellt, selbst wenn man selbst es toll fände, mal umzuziehen und die neue Umgebung kennenzulernen.

Also bedarf es bei entfernten Erlebenswelten nicht so sehr der Empathie, der Intuition, als viel mehr einer Bewusstwerdung der entfernten Erlebenswelt und der logischen Erfassung dessen, was ein völlig fremd wirkendes Verhalten auslösen könnte, warum also jemand ganz anders reagiert als man selbst.
Genau das müssen Autisten nun in ihrem Leben dauernd tun, um die Erlebenswelt der NA zu erfassen, zu verstehen, damit zurechtzukommen, in dieser vorwiegend durch NA geprägten Welt zu leben. Daher können viele Autisten das auch ziemlich gut, dieses logische Zerpflücken von Situationen. Man ist sozusagen im Training, weil man es ja ständig tun muss.

Und der NA? Der kann sich in den meisten Fällen auf seine intuitive Empathie verlassen, weil die meisten Menschen in einer recht ähnlichen Erlebenswelt wie er selbst leben. Hier und da mal kleine Abweichungen, ok, aber das haut schon meist gut hin. Er ist nicht im Training des Verlassens der eigenen Erlebenswelt und des logischen Erfassens sehr fremder Erlebenswelten. Und dann trifft er den Autisten – und packt’s nicht, ihn auch nur ansatzweise zu verstehen im Worst Case, wie den Hamster. Und das ist dann auch noch der Fehler des Autisten, weil der ja schließlich in der Minderheit und so schrecklich anders ist.

So negativ für die NA mag ich es jetzt aber auch nicht enden lassen. Ich denke, wer den Text versteht, versteht auch, dass es im Grunde nicht um Schuldzuweisungen geht. Es geht mir vielmehr einerseits darum, dieses Empathiekonstrukt mal aufzudröseln und andererseits darum, wie jeder Mensch da, wo die intuitive Empathie versagt, weiterkommen kann.

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3 Tage lesen, diskutieren und an jemanden denken

dasfotobus:

Die zweiten Blogger-Themen-Tage haben begonnen. Das Motto ist diesmal “Gemeinsam stark”. Drei Tage lang wird es Texte zu den Themen Kommunikation, Barrieren und Barrierefreiheit und Tiere und Behinderungen geben.
Auch ich bin mit einem Text heute dabei:
Die Wörtlichkeiten des Lebens und das Monster im Wandschrank

Das Programm für heute findet ihr hier:
Thementag Kommunikation

Ich werde mich dann mal über die Texte der anderen Teilnehmer hermachen. Euch und mir viel Spaß beim Lesen.

Ursprünglich veröffentlicht auf Quergedachtes | Ein Blog über Autismus:

Bei der Terminsuche für die zweiten Thementage hatte ich keine großen Hürden zu überwinden. Anfang Dezember sollen sie stattfinden, von Freitag bis Sonntag gehen und den Menschen das Leben um einige Sichtweise und kleine Blogperlen bereichern. Was bietet sich da als Starttermin besser an als Nikolaus? Und so verkündete ich Ende Oktober:

Der Nikolaus füllt den Schuh, Quergedachtes den Kopf und das Herz

Nun ist es soweit: die zweiten Blogger Thementage können starten. Mehr als 40 bunte Beiträge werden in den kommenden 3 Tagen zum Nachdenken, diskutieren und hoffentlich auch mal schmunzeln einladen. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Teilnehmern recht herzlich für die Unterstützung dieser Thementage bedanken.

Wer die ersten Thementage schon verfolgt hat weiß, dass ich diese zusammen mit zwei Bloggerinnen geplant und organisiert hatte. Vor nicht einmal zwei Wochen erreichte mich eine Nachricht die mich, ich war mitten in den Reisevorbereitungen zu meinem Vortrag in…

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